Psychedelische Substanzen sind Werkzeuge, mit denen tiefgreifende Zustände veränderten Bewusstseins erfahren werden können. Diese Eigenschaft kann medizinisch bzw. therapeutisch genutzt werden, um seelische Probleme zu reflektieren und zu lösen.

von Markus Berger

Der Mensch ist unter dem Einfluss von Psychedelika und Entaktogenen (Empathogenen) mitunter und unter anderem in der Lage, sein Innerstes zu reflektieren, seine Vergangenheit erneut und von einem beobachtenden Standpunkt aus zu durchlaufen, seine Zukunft im voraus einzusehen und tiefliegende auch unbewusste Blockaden zu erkennen oder spontan zu lösen.

Um solche bewusstseinsveränderten Zustände zu erlangen, die als Unterstützungsmittel in der Psychotherapie von so großem Nutzen sein können, eignen sich prinzipiell alle psychedelischen Entheogene, wie zum Beispiel die Tryptamine LSD, Psilocybin/Psilocin, DMT bzw. Ayahuasca/Pharmahuasca, 5-MeO-DMT, DPT (Dipropyltryptamin) und Ibogain, wie von Claudio Naranjo in seinem Buch „The Healing Journey“ (deutsch: „Die Reise zum Ich“) hervorragend beschrieben, aber auch Phenethylamine, wie beispielsweise MDMA, MDMC (Methylon), MDA und Verwandte, Ephedrin, Meskalin, die 2C-x-Derivate und viele andere, sowie Substanzen aus diversen Stoffklassen, wie zum Beispiel das Lachgas, der Fliegenpilz und auch dissoziativ wirksame Substanzen wie Ketamin.

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Welchen Nutzen bringen Psychedelika in der Psychotherapie?

Es liegt in der Hand des Therapeuten, diese Substanzen sinnvoll in das Therapiegeschehen einzubringen, was möglich ist und immer wieder unter Beweis gestellt wird, zum Beispiel erst jüngst durch den Schweizer Arzt und Psychiater Peter Gasser, der eine offizielle LSD-Studie mit zwölf sterbenskranken Probanden durchführte. So kennen wir in diesem Bereich zum Beispiel die psycholytische Therapie, die mit niedrigeren oder auch Mikrodosierungen der Moleküle auskommt, und wir kennen die psychedelische Therapie, bei der in aller Regel recht hohe Dosierungen Psychedelika zur Hilfe genommen werden, um Blockaden zu lösen.
Claudia Möckel Graber ist heilpraktische Psychotherapeutin und schreibt in ihrem Buch „Eintritt in heilende Bewusstseinszustände“:
„In ernsthaften Händen und in der richtigen Form genommen, sind Substanzen wie LSD, MDMA, Psilocybin oder Meskalin wirkungsvolle Heilmittel. Die Einnahme von bewusstseinsverändernden Substanzen hat Tradition. Sie werden seit Jahrtausenden von Naturvölkern zu heiligen Zeremonien eingenommen. Für einen gewissen Zeitraum taucht der Ratsuchende in außerordentliche Bewusstseinsräume bzw. außergewöhnliche Bewusstseinszustände (ABZ) ein und bringt von dort neue Einsichten in übergeordnete Zusammenhänge und heilbringende Antworten mit.“

Psychedelika – wirksam auch gegen Depressionen

Ein weiteres Feld, auf dem psychedelische Moleküle sinnvoll eingesetzt werden können, und das sich partiell mit dem Gebiet der Psychotherapie überschneidet, sind Depressionen. Es gibt bekanntermaßen viele verschiedene Formen der depressiven Erkrankung, einige davon sind bis heute nicht einmal richtig erforscht.
Bei aller Vielfalt der verfügbaren pharmazeutischen Antidepressiva ist aber – wenn überhaupt! – ein jedes nur bei jeweils einer spezifischen Form der Depression wirksam, was die Arbeit des Arztes erschwert, das für den Patienten korrekte Pharmakon herauszusuchen.
Mit Hilfe psychedelischer Sitzungen können Depressionen unterschiedlicher Form gut behandelt werden, besonders hervorgehoben müssen hier die Pilzwirkstoffe Psilocybin und Psilocin (von denen ja in summa das Psilocin der wirksame Stoff ist, denn Psilocybin wird im Körper direkt in Psilocin umgewandelt) und das Dissoziativum Ketamin. Beide Psychoaktiva haben sich gerade in letzter Zeit als effektive Werkzeuge in der Therapie von Depressionen erwiesen. Zukünftige Forschungen, die zum Beispiel zurzeit von der holländischen Stichting OPEN angestrebt werden, dürften größeren Aufschluss auf diesem Terrain bringen. Stichting OPEN ist eine Organisation, die sich um die Rückführung der Psychedelika in den klinischen Alltag bemüht.

Sonderfall Ibogain

iboIbogain ist ein psychedelisches Tryptamin, das u.a. im afrikanischen Iboga-Strauch Tabernanthe iboga vorkommt und erfolgreich als Therapeutikum verwendet wird. Das Iboga Therapy House in Kanada (Vancouver, British Columbia) war eines der ersten Non-Profit-Unternehmen, die sich der Therapie mit Iboga bzw. Ibogain verschrieben haben. Diese Institution ist seriös und verfolgt seit November 2002 die Absicht, Forschungsarbeiten mit Ibogain zu forcieren und aber auch Menschen mit dem Stoff bzw. einer komplexen Therapie zu helfen, ihre Abhängigkeiten zu überwinden oder in den Griff zu bekommen.
In dieser Hinsicht ist Ibogain sicherlich gerade als ein immer weiter um sich greifender Hype zu bezeichnen. Allerdings sollte man mit diesen zu Hypes avancierenden Boom-Geschichten vorsichtig sein.
Es gibt zahlreiche Anbieter von „Iboga-Wellness“, so wie auch der Ayahuasca-Tourismus immer folgenschwerer an Popularität zugewinnt, was für die indigenen Ethnien ein fataler Umstand ist, weil ihnen damit (d. h. mit der Kommerzialisierung ihrer Beziehung zur Natur) letztlich die eigenen Wurzeln sukkzessive abgeschnitten werden.

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