Im Zuge der allgemeinen Popularisierung von psychedelischen Drogen erfahren auch Meskalin und Meskalin-haltige Pflanzen eine immer größere Beliebtheit. Obwohl die pharmakologischen Effekte dieses Stoffs denen von LSD und Zauberpilzen recht ähnlich sind, sind doch im Umgang mit Meskalin ein paar Dinge zu beachten.
Von Markus Berger

Meskalin ist enger mit Amphetamin und MDMA verwandt als mit LSD, Psilocybin/Psilocin und Co., weil es sich bei dem Stoff nicht um ein Tryptamin, sondern um ein Phenylethylamin handelt. Dennoch ist die Wirkung von Meskalin den Effekten der Tryptamin-Psychedelika sehr ähnlich – manche User meinen, dass auf Meskalin das Bewusstsein klarer erhalten bleibe.

Meskalin (chemisch 3,4,5-Trimethoxy-beta-phenylethylamin) ist ein psychedelisches Molekül, das in zahlreichen Kakteen vorkommt, insbesondere im Peyote (Lophophora williamsii) und in einigen Arten der Gattung Trichocereus (San Pedro und Co.), aber auch in vielen weiteren Gattungen und Arten. Im Gegensatz zu den Kakteen, die als Zierpflanzen im Handel legal zu erwerben sind, unterliegt Meskalin den betäubungsmittelrechtlichen Gesetzen – kurz gesagt: Es ist verboten. Was auch sonst?!

Reines Meskalin wirkt anders als das Wirkstoffgemisch der Kakteen. Man kann das in etwa vergleichen mit der Wirkung von reinem THC (Dronabinol) im Gegensatz zur Wirkung, die Cannabisblüten induzieren. Die in den Pflanzen anwesenden Inhaltsstoffe erzeugen im Zusammenspiel eine Synergie, die letztlich eine andere sein muss, als es die Effektivität des reinen Wirkstoffs ist. Die Meskalin-Erfahrung hat ähnliche Qualitäten wie die psychedelische Erfahrung mit LSD und Psilocin, allerdings ist dem Meskalin eine deutlich mentalere Effektivität zu eigen. Die Visionen sind meist etwas klarer, man könnte sagen, schärfer konturiert, der Trip geht insgesamt sehr auf die mental-seelische Ebene, weshalb die Substanz auch als Psychotherapeutikum geeignet ist.

Jeder, der die stimulativ-psychedelischen Wirkungen solcher Amphetaminderivate wie MDMA, MDE, MDA und auch des Methylcathinonderivats MDMC (Methylon) kennt und miteinander vergleichen kann, sollte nachvollziehen können, was der kleine, aber feine Unterschied in der Wirksamkeit der Moleküle ist. Die einen befördern den User in psychedelische, andersweltliche Gefilde, derer sich das Alltagsbewusstsein ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr erwehren kann, während die anderen mehr auf der kognitiv-emotionalen Ebene wirken. Erstere sind die klassischen Psychedelika, letztere die quasi-psychedelischen, entaktogenen und empathogenen Stimulanzien.

Meskalin einnehmen ohne Übelkeit

Den meisten Usern wird nach Einnahme von Zubereitungen aus Meskalin-Kakteen zunächst übel. Gemäß der indigenen Überlieferung hat dies mit einem notwendigen Reinigungsprozess zu tun, der vor der entheogenen Reise nützlich ist und den Probanden sozusagen für die Erfahrung eicht. Analog können wir die Übelkeit nach Einnahme von Ayahuasca und anderen pflanzlichen Psychedelika heranziehen und betrachten – hier ist es das Gleiche. Aber auch nach Einnahme von reinem Meskalin kommt es häufig zu Übelkeit und Unwohlsein – wenn man den Trick nicht kennt und die Gesamtdosis auf einmal einnimmt.

Erfahrene Psychonauten nehmen Meskalin in mehreren Portionen ein. Wenn also zum Beispiel 300 Milligramm die Einzeldosis sind, dann empfiehlt es sich, diese in drei Schritten zu nehmen – etwa alle 30 Minuten 100 Milligramm. Wer empfindlich ist und lieber vorsichtig sein mag, teilt die Dosis sogar in 50-Milligramm-Portionen auf. Das hat auch zur Folge, dass die Wirkung des Meskalins gleichmäßig und sanft anflutet, was viele besser tolerieren.

Eine Frage der Dosis

Niedrigere Dosierungen Meskalin, etwa 50 bis 150 Milligramm (abhängig von der Empfänglichkeit des Nutzers), können ähnlich wirken wie MDMA und verwandte Entaktogene. 5 Milligramm pro Kilo/Körpergewicht gelten als mittelstarke, aber deutlich visionäre Dosis.
Das wären bei einem 80 Kilo schweren Menschen 400 Milligramm. Peyote-Kakteen werden in einzelne Buttons portioniert. Als Dosis gelten, je nach Größe und Alter der Buttons, 4 bis 35 (40) Stück. Das ist allerdings eine nur sehr vage Angabe, weil nicht nur die Größe und das Alter der Buttons eine Rolle spielen, sondern auch die Wirkstoffschwankungen, denen die Pflanzen unterliegen. So bilden die Peyote-Pflanzen unter optimalen Bedingungen deutlich mehr Alkaloide aus als unter Bedingungen, die den Gewächsen nicht zuträglich sind. Die meisten User berichten von Dosierungen zwischen 15 und 20 Gramm Trockenmasse des Kaktus, die unter guten Voraussetzungen zwischen 200 und 600 Milligramm Meskalin enthalten können. Beim San-Pedro-Kaktus sind es zwischen 30 und 40 Gramm der Trockenmasse, die häufig verwendet werden – analog dazu kann man ein Stück des Kaktus verwenden, das 25 Zentimeter lang und etwa 5 bis 10 Zentimeter breit ist.

Lebensgefahr durch Meskalin?

Immer wieder wird in der Literatur darüber berichtet, dass eine Überdosis Meskalin zu einer Atemlähmung mit darauf folgendem Tod führen könne. Das ist theoretisch wohl korrekt. Mit Überdosierungen von Phenylethylaminen ist ohnehin nicht zu spaßen. Der Warnhinweis für Meskalin ist aber ein wenig übertrieben. Immerhin liegt die letale Dosis für die Maus bei 880 Milligramm pro Kilogramm/Körpergewicht.

Ein 80 Kilo schwerer Mensch müsste also über 70 Gramm (!) reines Meskalin zu sich nehmen, um diese Dosierung zu erreichen.

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