Die selbstverantwortliche, mündige und sachgemäße Anwendung von Drogen kann das Leben bereichern, wohingegen die falsche Handhabung von psychoaktiven Substanzen die psychische und physische Gesundheit beeinträchtigen kann. Letztlich entscheidet die individuelle Drogenkompetenz darüber, ob eine Substanz heilsam oder zerstörerisch wirkt. Von Markus Berger

Ich werde immer wieder gefragt, wie es denn sein kann, dass zwei (vermeintlich) divergierende Effekte aus der Psychedelika-Einnahme resultieren können: zum einen die Aktivierung einer latent vorhandenen Psychose, zum anderen – völlig entgegengesetzt – psychotherapeutische Effekte, die sogar psychotischen Episoden entgegenzuwirken vermögen. Die Antwort auf diese Frage ist leicht gefunden.

Es geht schlichtweg um zwei essenzielle Punkte:
Die korrekte Dosierung mitsamt korrektem Set und Setting. In der Hand des Profis, des erfahrenen Psychedelikers und des Therapeuten, können psychedelische Zustände ausgesprochen heilsame Wirkungen induzieren, wohingegen bei falscher Anwendung gegenteilige, also unheilsame Effekte den Konsum von Psychoaktiva zeitigen können.

Woran liegt das? Bemühen wir ein Beispiel, das jeder nachvollziehen kann. Im Grunde handelt es sich bei den psychedelischen Katalysatoren natürlich um Medizin, und Medizin muss, damit sie ihre heilsamen Wirkungen entfalten kann, richtig zur Anwendung kommen.

Hat also zum Beispiel ein Patient Herzbeschwerden, so kann die sachgemäße tägliche Zufuhr von Betablockern, ACE-Hemmern, Sartanen oder von was auch immer das Krankheitsbild verbessern und den Patienten befähigen, noch viele weitere Jahre seines Lebens genießen zu können.
Nimmt jedoch ein herzgesunder Mensch die Pharmaka ein oder der herzkranke Patient die Medikamente nicht entsprechend der Verordnung, so kann genau das Gegenteil passieren: Die Arzneimittel werden den Körper in negativer Weise beeinflussen.

Dosis und korrekter Gebrauch

Wir können also das paracelsische Credo „Allein die Dosis macht, ob ein Pharmakon als Heilmittel oder Gift wirkt, um eine Erkenntnis bereichern: Nicht nur die Dosis macht‘s, sondern auch die korrekte Anwendung. Herzgesunde Menschen nehmen keine Herzmedikation, und Herzkranke nehmen ihre Medikamente entsprechend der Verordnung. Genauso verhält es sich mit den Psychoaktiva. Werden sie richtig angewendet, eventuell sogar in psychotherapeutischem Setting, so kann die Heilkraft der Arznei sich entfalten. Werden sie jedoch unsachgemäß eingenommen – zu viel, zu oft, zu unreflektiert und unter falschen Set- und Settingbedingungen – so kann sich eine verheerende negative Wirkung der Mittel einstellen. Und so kommt es, dass der eine aus dem Konsum von Psychedelika „höllische, psychotische, schwer einzuordnende“ und letztlich zutiefst negative Erfahrungen zieht, der andere jedoch durch seine psychedelische Praxis von quälenden psychologischen Symptomen befreit wird. Übrigens gehören die angesprochenen „negativen Erfahrungen“ genauso zum Spektrum transpersonaler Zustände wie die sogenannten positiven Erlebnisse, sie werden jedoch mit Hilfe des Therapeuten oder Schamanen während der psychedelischen Sitzung als Teil der ganzheitlichen Erfahrung integriert.
Wer solche „Horrotrips“ in privatem Setting und alleine oder im Rahmen einer Party erlebt, kann Schwierigkeiten bekommen, sie zu deuten, zu akzeptieren und als integralen Bestandteil der psychedelischen Erfahrung sinnbringend einzuordnen.

Psychedelika wirken auch körperlich

Wie schön wäre es doch, wenn psychoaktive Substanzen ausschließlich auf die Psyche wirken würden. Dann würden auch alle körperlichen Probleme, die im Zusammenhang mit hochdosierter Drogeneinnahme immer wieder Thema sind, keine Gefahr darstellen. Da wir aber komplexe Organismen sind, ist die Modifikation des psychischen Zustands auch immer mit einer dazugehörigen körperlichen Reaktion verbunden. Wir verspüren also nicht einfach „gute Laune“, sondern in Wirklichkeit die Effekte körpereigener Transmitter wie Dopamin, Serotonin und anderer. Nehmen wir beispielsweise MDMA ein, so resultiert nicht nur eine psychische Veränderung, sondern auch eine körperliche. Es werden endogene Transmitter ausgeschüttet, die Körpertemperatur steigt an – überdies wirkt MDMA vereinfacht ausgedrückt aufs Herz-Kreislaufsystem, auf die Leber und andere Organe. Dies bedingt dann in summa ein entsprechendes Verhalten seitens des Users.

Wenn er oder sie also MDMA einnimmt, die Nacht durchtanzt, ohne einen Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts vorzunehmen (wenn man also das Trinken vergisst), ohne zur Toilette zu gehen (wenn man also seine Nieren nicht entlastet) und ohne sich
die für den Körper notwendigen Pausen zu gönnen, dann kann aus einer bezaubernden Nacht ein furchtbarer Alptraum werden.

Wer jemals erlebt hat, wie ein überdosierter Konsument, der die Safer-Use-Regeln nicht beachtete, zusammenbricht und bewusstlos am Boden liegen bleibt, der weiß, wovon hier die Rede ist.
So jemand macht nämlich nicht nur sich selbst die Party oder psychonautische Session kaputt, sondern auch allen anderen Mitreisenden. Der Notarzt muss geholt werden, das Setting aufgelöst. Panik bricht aus, weil allen bewusst ist, dass es nun gehörigen Ärger geben kann, weil illegalisierte Substanzen im Spiel sind – kurz gesagt: Ein Psychonaut der nicht auf die allfälligen Regeln achtet, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Gruppe oder Party.

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