Die meisten Cannabisfreunde assoziieren mit Ma’jun, auch Majoon und Majun genannt, süße Köstlichkeiten, Sweeties und Candies aus Hanf und anderen Ethnobotanika. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Schauen wir uns an, was Ma’jun wirklich ist und welche Rauschpflanzen einem typischen Ma’jun-Rezept beigegeben werden.
Von Markus Berger

Ma’jun stammt ursprünglich aus Indien, ist aber schon lange auch in Marokko, Pakistan, Afghanistan und anderen Ländern Eurasiens und Nordafrikas verbreitet. Es handelt sich um eine Art Paste aus verschiedenen psychoaktiven Ingredienzien, Heilpflanzen und Gewürzen, die in kleinen Bissen oder in Pillenform seltener gekaut, meistens einfach geschluckt werden.

Wo der Begriff Ma’jun fällt, denken die meisten unwillkürlich an Spacecookies, an cannabishaltiges Gebäck. Dabei wird Ma’jun gemeinhin als süße Hanfmischung aufgefasst. Dass Ma’jun damit jedoch im eigentlichen und ursprünglichen Sinne nur wenig gemein hat und erst in der neueren Zeit zu einer Art Cannabiskonfekt avancierte, wissen die wenigsten. Zwar ist Cannabis typischerweise grundsätzlich eine Ma’jun-Zutat in Indien, in Marokko hingegen muss zum Beispiel schon kein Hanf mehr in der Mischung enthalten sein. Schauen wir uns den Mythos Ma’jun einmal etwas genauer an.

Maj’un ist eigentlich die Bezeichnung für verschiedene ethnopharmakologische Arzneimittelmischungen. DAS Ma’jun gibt es also gar nicht. Ma’jun meint vielmehr eine Rezeptur, die in jeder Familie individuell verschieden sein kann. Die pflanzlichen und mineralischen Grundstoffe sind allerdings in den meisten Mischungen wiederzufinden.

Es gibt viele klassische psychoaktive Produkte, die dem Ma’jun ähneln. Die orientalischen Fröhlichkeitspillen (die auch Nepenthe genannt werden), Gondschaki, Thandai, der indische Bhang, das europäische Elektuarium (Latwerge) und so weiter. Dabei ist den meisten Ma’jun-Mixturen heutzutage eigen, dass sie mehr oder weniger Anteil an Cannabis enthalten. Dass Ma’jun aber nicht immer und typischerweise mit Hanf assoziiert und zubereitet werden muss, zeigen zwei typische Ma’jun-Rezepte aus Marokko. Im ersten fehlt der Hanf zugunsten der Anwesenheit von diversen, machtvollen Nachtschattengewächsen, im zweiten kommen sogar weder Hanf- noch Nachtschattenzutaten vor . Dennoch ist wegen des Gehalts an Steppenraute und Muskat eine krasse psychoaktive und potenziell hochgiftige Wirkung das Resultat der Einnahme solcher Präparate.


Ma’jun Rezept mit Haschisch

– 100 Gramm Butter
– 2 Gramm Haschisch
– 80 Gramm Cashew
– 70 Gramm Pistazien
– 100 Gramm Datteln
– 100 Gramm Mandeln
– 100 Milliliter roher Honig
– 50-70 Milliliter Rosenwasser
– 4 Teelöffel Dinkelmehl
– 1 Prise Salz

Gewürze: Je ein halber Teelöffel Ingwer, Pfeffer, Kardamom, Zimt und Kurkuma



Ein typisches Ma’jun-Rezept aus Marokko

50 Gramm Steppenraute
50 Gramm Muskatnuss
50 Gramm Muskat-Fruchtschale
50 Gramm Myrte
80 Gramm Sesam-Samen
1 Kilo Zuckersirup


Toxische Mixtur

Urtümlichere Ma’jun-Mischungen sehen noch die Zugabe weiterer, stark psychoaktiver Pflanzen vor, in aller Regel sind dies toxische Nachtschattengewächse und sogar Mohnköpfe bzw. Mohnsamen (Papaver somniferum). Die klassischen Grundzutaten von Ma’jun sind Nachtschattendrogen, Cannabis und Mohn sowie die Brechnuss (Strychnos nux-vomica), die das Nervengift Strychnin enthält.

Nachmachen verboten!

Wir wiederholen: Nachmachen sollte ein solches Rezept niemand! Zum einen sind den meisten Psychonauten die Synergismen nicht bekannt und schon gar nicht vertraut, die mit solch gefährlichen Kombos erzeugt werden können. Zum anderen sind gerade die Nachtschattengewächse und auch die Brechnuss nichts zum Spielen. Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche sowie alle anderen Tropanalkaloid-haltigen Nachtschattenpflanzen können bei unsachgemäßer Zubereitung und Einnahme zu medizinischen Notfällen führen, zuweilen auch zu kritischen Zuständen – im schlimmsten Fall gar zum Tod. Strychnin, das in unserem Kulturkreis als Giftstoff recht bekannt ist, muss in diesen Zusammenhang nicht weiter erwähnt werden. Niemand sollte diese Substanz zu sich nehmen.

Vielfältiges Ma’jun

Im arabischen Raum werden per se und grundsätzlich alle Medizinalmischungen aus Heilpflanzen und -mineralien Ma’jun genannt, mit den geistbewegenden Bissen der Schamanen und Hedonisten haben auch diese Präparate jedoch nur sehr selten etwas gemein. Allein in der Ethnomedizin und in der Tradition der diversen Ethnien sowie unter ernsthaften Psychonauten wird Ma’jun weiterhin als das hergestellt und verwendet, was es ist: eine Hexensalbe des arabischen Kulturraums, eine aphrodisische, psychoaktive Zubereitung von enormer Potenz – für Ritual, Hedonismus und Heilkunde.

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