Automatik- oder Autoflowering-Strains verfügen über die einzigartige Eigenschaft, unabhängig von der täglichen Lichtdauer automatisch in die Blüte zu gehen, weshalb man sie auch „selbstblühend“ nennt. Was das heißt und wie das sein kann, erfahren wir in diesem Artikel.

von Markus Berger

Bei Autoflowering-Cannabis handelt es sich um Hanfzüchtungen, bei der spitzfindige Breeder sich eine ausgeklügelte Technik ausgedacht haben, um sich die Eigenschaft des Ruderalhanfs zunutze zu machen, unabhängig vom Lichtzyklus die Blüte einzuleiten. Bei diesen Strains ist es nicht nötig, durch eine Verkürzung der Photoperiode auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit den Blühimpuls zu provozieren. Es gibt Autoflowering-Strains, die etwa 1,5 Meter hoch werden, aber auch solche, die nur 30 bis 50 Zentimeter hoch wachsen.

Was ist Ruderalhanf?

Der Ruderalhanf nennt sich botanisch Cannabis ruderalis und kommt wild wachsend vom Kaukasus bis nach China vor: „Ursprünglich kommt Cannabis ruderalis nur im südöstlichen Russland wild vor. Er wurde vermutlich von den Skythen in die Mongolei eingeführt und hat sich dort verwildert“, schreibt der Ethnobotaniker Christian Rätsch in seiner Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Der wilde Ruderalhanf „wird nur 30 bis 60 cm hoch, hat fast keine Verzweigungen und recht kleine Blätter. Der Blütenstand ist nicht besonders üppig und tritt nur am Ende des Stengels auf. Die Samenhülle hat eine fleischige Basis.“
cannabis ruderalisAufgrund der ziemlich langen und meist recht kühlen Tage in dieser Gegend hat sich bei dieser Cannabis-Art die Eigenart ausgeprägt, die Blüte der Pflanzen nicht abhängig vom Licht, sondern bei Erreichen des entsprechenden Stadiums einzuleiten, damit die Gewächse in freier Wildbahn die Chance haben, sich zu reproduzieren. Wegen des doch eher rauen Klimas im eurasischen Heimatgebiet der Cannabis ruderalis (wo selbst Schnee die Pflanzen zuweilen bedecken kann) haben die Gewächse die Angewohnheit, relativ kompakt und kleinwüchsig zu gedeihen. Sind Indica-Pflanzen im Vergleich zu Sativas schon kleinwüchsig, so ist der Ruderalhanf sozusagen der Zwerg in der Familie. Das für Cannabis eigenartige Blühverhalten und die relative Kompaktheit sind beides Eigenschaften, die für Grower von erheblichem Vorteil sein können.
Deshalb haben Breeder sich an die Arbeit gemacht und diese Charakteristika des Ruderalhanfs durch Einkreuzung in die gängigen Sativa- und Indica-Strains eingebracht. Dabei werden die daraus resultierenden Strains mit einem Anteil von zwischen 10 und 35 Prozent Ruderalis-Genetik gezüchtet. „Sehr beliebt sind Kreuzungen aus Cannabis indica und Cannabis ruderalis, da sie sehr klein und zugleich hochpotent sind. Kreuzungen mit Cannabis ruderalis eignen sich gut für den Anbau im Freien, da sie ungeachtet der Länge der Tage früh blühen“. Und in der Tat sind dabei im Lauf der Zeit Pflanzen herausgekommen, die leicht zu ziehen, mitunter enorm potent und nur wenig auffällig sind sowie früh zur Reife gelangen können.

Die Vorteile des automatischen Cannabis auf einen Blick
– Von der Aussaat der Samen bis zur Ernte des Weeds vergehen in aller Regel nur 10 bis 11 Wochen.
– Die Gewächse gehen unabhängig von der Photoperiode nach zwei bis fünf Wochen in die Blüte.
– Durch schnelles Wachstum und rasche Blüte sind mehrere Ernten pro Saison möglich.
– Automatisches Cannabis ist meist kleinwüchsig und damit nur wenig auffällig.
– Autoflowering-Pflanzen prägen zuweilen keinen so starken Geruch aus wie normale Strains.
– Autoflowering Cannabis ist feminisiert, bringt also keine männlichen Pflanzen hervor.

Haben diese Pflanzen auch Nachteile?

wappaDer einzige echte Nachteil, den man gegen die Autoflowering-Pflanzen hervorbringen könnte, ist die geringe Menge, die pro Ernte und Exemplar zu erwarten steht, und die aufgrund der nur geringen Größe der Auto-Pflanzen ein hinzunehmender Faktor ist. Durchschnittliche Automatik-Gewächse bringen in der Regel zwischen 15 und maximal 75 Gramm Gras auf die Waage, wobei letztere Menge in den meisten Fällen schon recht hoch gegriffen ist. Auch wenn die Samenbanken teilweise Werte bis zu 125 Gramm pro Pflanze angeben (die natürlich, wenn überhaupt, nur unter optimalen Bedingungen erreicht werden können), so zeigt doch die Praxis, dass meist sehr viel weniger Weed herauskommt als versprochen. Die kurze Dauer von der Keimung des Samens bis zur Erntereife macht diesen Punkt aber gut wett.
Wollte man weitere Nachteile der Automatik-Pflanzen nennen, so bliebe nur übrig, dass von solchen Sorten weder Stecklinge noch Mutterpflanzen produziert werden können. Aber auch dies ist durch den raschen Growzyklus der Selbstblühenden kompensiert.

Indoor oder Outdoor?

Selbstblühende Hanfsorten können sowohl indoor wie auch outdoor angebaut werden. Da die meisten Strains innerhalb von zehn oder elf Wochen reif werden, können sowohl im Freiland (bei uns natürlich besser im Kübel) wie auch unter künstlicher Beleuchtung drinnen mehrere Ernten pro Jahr stattfinden. Die Autoflower-Sorten werden normalerweise nicht in Indoor- und Outdoor-Strains aufgeteilt, sondern können alle sowohl unter Kunstlicht wie auch im Garten gezogen werden. Drinnen bleiben sie etwas kleiner als draußen und wachsen ein wenig kompakter.

Die Beleuchtung der Pflanzen

growingEs gibt Grower, die ihr Autoflowering-Cannabis einfach in den Kübel pflanzen, diesen im Freien stehen lassen, ab und zu wässern, vielleicht auch mal düngen – und ansonsten nichts tun, bis die Gewächse fertig ausgereift sind. Das ist eine Methode, die mit Autoflower-Strains in der Tat häufig funktioniert. So mancher hat sich schon über prächtigste Pflanzen gefreut, aber auch gewundert – weil der Pflege der Pflanzung, die nun eine schöne Ernte zum Ergebnis hat, möglicherweise keine Bedeutung beigemessen worden war. Und dennoch haben die Auto-Pflanzen sich womöglich hervorragend gemacht. Wer seine Auto-Schätzchen lieber drinnen ziehen möchte, der kann den Pflanzen mit wenig Aufwand zu einem schönen Leben verhelfen (wenngleich dieses Leben als solches nur von kurzer Dauer sein wird). Manche Auto-Grower spendieren ihren Zöglingen schlicht und ergreifend 18 Stunden Licht pro Tag, den Rest erledigt die Ruderalis-Genetik. Wie weiter oben bereits erwähnt, muss die Photoperiode zum Einleiten der Blüte bzw. während der Blütezeit nicht auf einen 12/12-Stundenzyklus umgestellt werden, da es, wie oben schon erklärt, die Haupteigenschaft der Autoflowering-Pflanzen ist, die Blüte unabhängig von der täglichen Lichtdauer zu beginnen.

Strain-Empfehlungen

auto amnesiaSensi Seeds bietet mittlerweile eine schier unerschöpfliche Palette an Automatik-Strains an. Besonders interessant sind zum Beispiel die „White Diesel Haze Automatic“ (70 % Sativa) sowie die Auto-Strains der echten Klassiker, wie etwa „White Widow Automatic“ (35 % Sativa, 65 % Indica), „Northern Lights Automatic“ (90 % Indica) und „Super Skunk Automatic“ (80 % Indica).
Der Breeder Royal Queen Seeds hat ebenfalls diverse Auto-Strains im Programm, unter anderem die sehr empfehlenswerten Sorten „Amnesia Haze Automatic“ (50 % Sativa, 20 % Indica, 30 % Ruderalis), „Royal Cheese Automatic“ (30 % Sativa, 50 % Indica, 20 % Ruderalis) und „Royal Jack Automatic“ (40 % Sativa, 30 % Indica, 30 % Ruderalis).
Auch Paradise Seeds erweitert die Auswahl an Auto-Strains in ihrem Angebot. Ganz besonders zu empfehlen sind unter anderem die „Auto Wappa“ (40 % Sativa, 50 % Indica, 10 % Ruderalis), die „Auto Acid“ (50 % Sativa, 40 % Indica, 10 % Ruderalis) und die „Auto Jack“ (70 % Sativa, 20 % Indica, 10 % Ruderalis).
Bei den obigen Empfehlungen kann es sich natürlich nur um eine verschwindend kleine Auswahl handeln, denn mittlerweile bietet jeder Breeder und jede Seedbank Saatgut von Autoflowering-Strains an: Die Cannabis-Kreateure haben damit auf die Zeichen der Zeit reagiert, ob Dinafem, Dutch Passion, Green House Seeds, Barney‘s Farm, CBD Seeds, Serious Seeds oder tatsächlich so gut wie jeder andere Samenproduzent – sie alle bieten Autoflowering-Sorten an, die immer ausgereifter und besser werden. Und sogar die Samen von durchschnittlichen No-Name-Firmen sind zum Teil von guter Qualität und lassen sich leicht und effektiv anbauen.

Auto Cannabis: Perfekt für Patienten

Autoflowering-Strains eignen sich perfekt für Cannabis-Patienten, die sich nicht erst in die große Welt des Cannabis-Growings einarbeiten wollen. Eine Auto-Pflanze verträgt meist kühlere Temperaturen bzw. Temperaturschwankungen, ist nicht heikel in der Pflege und darüber hinaus in wenigen Wochen erntereif. Auto-Pflanzen können daneben deutlich einfacher als Balkonpflanzen gezogen werden, weil sie nicht von vorgeschriebenen Belichtungszyklen abhängig sind. Das macht diese Pflanzen ideal für Cannabis-Patienten, die nicht die Zeit oder Energie haben, um sich eingehend um ihre Pflanzung zu kümmern.

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