Nachdem wir die vorige Folge unseres kleinen Growkurses mit einem Tipp zum Thema Schädlinge abgeschlossen hatten, schauen wir uns diesmal an, welche Plagegeister den Cannabisgärtner so richtig ärgern können und was man tut, um die fiesen Insekten loszuwerden.
von Markus Berger

Die schönsten Pflanzen nützen nichts und bringen keine Freude, wenn sie permanent der Gefahr ausgesetzt sind, von hungrigen Tieren ums Leben gebracht zu werden. Schon gar nicht, wenn Gewächse angebaut werden, die später zur Ernte gelangen sollen.
Dabei können nicht nur Pflanzungen, die sich im Freiland befinden, von Schädlingen bedroht sein – zum Beispiel von Wald- oder Haustieren. Auch indoor können Tiere der ganz anderen Art einer Plantage zusetzen: Insekten nämlich, die es auf den süßen Pflanzensaft abgesehen haben. Natürlich können auch größere Tiere, wie Katzen, Käfer, Rotwild und viele andere, Cannabispflanzen den Garaus machen. Meist sind es aber die unscheinbaren kleinen Krabbler, die sich über Nacht und zunächst kaum sichtbar in Pflanzungen einschleichen und diese im Extremfall vernichten.


Blattläuse

BlattlaeuseBlattläuse sind kleine, auffällige Insekten und etwa einen bis zwei Millimeter groß. Die Schädlinge sammeln sich an den Unterseiten der Blätter, am Stamm und an den Blattstielen. Sie erscheinen meist im Überfluss und treten nur selten allein oder in kleineren Gruppen auf. Blattläuse stechen in das Pflanzengewebe und saugen den Saft aus den Zellen. Befallene Pflanzen haben gewellte, gekräuselte Blätter, welken, verkrüppeln, deformieren und verfärben sich. Die Blätter, an denen die Blattläuse gesaugt haben, erscheinen blass oder „getüpfelt“. Rußtau, der auf reichlich Honigtau gedeiht, kann so dicht wachsen, dass er das Licht von den befallenen Pflanzenteilen fernhält. Blattläuse übertragen, während sie von Pflanze zu Pflanze wandern, außerdem zahlreiche andere Krankheitserreger, zum Beispiel Bakterien, Viren und Pilze.

Maßnahmen: Marienkäfer als Fraßfeinde, Netzabdeckungen, von Hand entfernen.



Schildläuse

SchildlaeuseSchildläuse sind weltweit verbreitet. Es gibt etwa 3000 Arten, von denen ungefähr 90 in Europa heimisch sind. Sie befallen Pflanzen in Garten und Gewächshaus. Schildläuse haben perfekte Mundwerkzeuge, um Pflanzen anzustechen und den Saft auszusaugen. Manche Arten injizieren ein giftiges Sekret ins Pflanzengewebe, um damit zu verhindern, dass die Wundheilung des Gewächses eingeleitet wird. Die ersten Anzeichen eines Befalls sind winzige Flecken und Punkte auf den Blättern. Bei stärkerem Befall vergilben die Blätter und fallen ab, die Pflanze verkümmert und stirbt schließlich. Schildläuse produzieren Honigtau, ein zuckerhaltiges Exkrement, das Ameisen anlockt und als Nährboden für Rußtau dient.

Maßnahmen: von Hand entfernen, Pflanze mit einer Mischung aus Wasser, Öl und Spülmittel behandeln.

 



Thripse

ThripseThripse, auch Blasenfüßer genannt, verfügen über ein Mundwerkzeug, mit dem sie an Blattoberflächen kratzen und stechen, bis der Pflanzensaft herausfließt. Dann saugen sie den Saft auf und hinterlassen am Blatt ein Schadbild mit weißen oder silbrigen Kratzern und Narben. Die Blätter nehmen eventuell eine weißliche Farbe an. Thripse hinterlassen grünlich-schwarze Kotflecken auf Blattober- und -unterseiten. Das Schadbild kann zunächst mit dem von Miniermotten und Spinnmilben verwechselt werden. Bekommt man Thripse nicht in den Griff, wird die Pflanze früher oder später sterben. Thripse dienen außerdem als Überträger diverser Pathogene, die sie von Pflanze zu Pflanze tragen.

Maßnahmen: regelmäßige Kontrolle, Gelbtafeln, Raubnematode als Nützling.



Wurzelläuse

WurzellausWurzelläuse sehen Blattläusen sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass die röhrigen „Fühler“ der Erdbewohner, die aussehen wie kleine doppelte Auspuffrohre, kürzer und gebogen sind.
Wurzelläuse benutzen Stechwerkzeuge, um die Wurzeln von Pflanzen anzustechen und auszusaugen. Wenn der Befall von Wurzelläusen sich verstärkt und sich viele Tiere an den Wirtspflanzen ernähren, geht das zu Lasten der Vitalität der befallenen Gewächse. Einige gehen dabei auch ein.

Maßnahmen: sterile Pflanzmedien oder pasteurisiertes Substrat verwenden, Raubnematode als Nützling.



Weiße Fliegen

Weisse FliegeWeiße Fliegen gehören zu den Mottenschildläusen und tauchen meist in großer Anzahl auf, sind aber nicht schwer zu bekämpfen. Weibchen legen etwa 100 winzige Eier auf die Unterseite von Blättern. Die Brut schlüpft innerhalb von zehn Tagen, und die Larven entwickeln sich zu beweglichen, schildlausähnlichen Insekten. Wenn sie eine ergiebige Futterquelle finden, setzen sie sich dort fest und saugen den Pflanzensaft aus den Blättern. Larven entwickeln sich innerhalb zwei bis vier Wochen zu ausgewachsenen Tieren, um dann noch etwa vier bis sechs Wochen zu leben. Die Reproduktionsrate von Weißen Fliegen hängt vom Klima ab. Die meisten Arten pflanzen sich am besten bei Temperaturen von 27 bis 33 Grad Celsius fort.

Maßnahmen: Kontrolle, Befallene Pflanzenteile entsorgen, Netzabdeckung.



Spinnmilben

SpinnmilbenSpinnmilben stechen ebenfalls das Pflanzengewebe an und saugen den Saft. Die punktierten Stellen verfärben sich braun und das Blatt um sie herum verfärbt sich gelb. Sie erscheinen als kleine bunte Flecken auf der Blattunterseite. Wird die Population größer, beginnen die Spinnmilben, ein feines Netz zu weben, das sie als Überweg zwischen Zweigen, Ästen und anderen Pflanzen nutzen. Spinnmilben sind außerdem Überträger von anderen Krankheiten. Das wirkt sich insofern übel aus, als dass die Tiere von Pflanze zu Pflanze wechseln.

Maßnahmen: Mit Wasser von der Pflanze spülen, regelmäßige Kontrolle, hohe Luftfeuchtigkeit, insektizide Öle



Trauermücken

xxxTrauermückenlarven leben indoors wie outdoors an feuchten und dunklen, verborgenen Stellen. Ausgewachsene Tiere schweben oberhalb der Substratoberfläche, Larven leben im Substrat bei der Wurzel. Erwachsene Trauermücken legen ihre Eier auf der Oberfläche des Mediums in Furchen nahe des Stengels ab. Die Larven schlüpfen und verziehen sich in die obere Erdschicht (etwa einen bis zwei Zentimeter tief) und dringen ins Wurzelsystem ein. Sie reifen im Substrat zu Erwachsenen heran, verlassen dann die Erde und bereiten sich auf die Paarung vor. Die Lebensdauer von Trauermücken liegt zwischen zwei und vier Wochen.

Maßnahmen: Substrat möglichst trocken halten, Raubnematoden als Nützlinge, regelmäßige Kontrollen.



Wollläuse

WollausWollläuse, auch Schmierläuse genannt, haben Mundwerkzeuge, mit denen sie stechen und saugen können. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bei starkem Befall vergilben und verdorren die Pflanzenteile und die Früchte fallen unreif zu Boden. Wollläuse produzieren Honigtau, ein zuckeriges Sekret, das Ameisen lieben und das auch dem für Pflanzen gefährlichen Rußtaupilz einen idealen Nährboden bietet. Sind erst einmal Wollläuse auf unseren Pflanzen, sind im Zweifel auch die Ameisen nicht weit. Sie kommen, um die Wolllausherde zu „hüten“ (genauso wie sie das bei Blattläusen tun), mit dem Ziel, deren Honigtau zu ernten.

Maßnahmen: Mit Wasser abspülen, insektizide Seife oder Öle, Florfliegen, Raubwanzen, Schwebfliegen oder Schlupfwespen als Fraßfeinde.



Miniermotten

Miniermotte„Miniermotte“ ist ein Sammelbegriff für Larven einer Vielzahl von Fliegen, einiger Falter und sogar einer oder zwei Käfer-Spezies, die sich in Blattgewebe einnisten. Diese Schädlinge sind in unseren Gärten recht verbreitet. Der Schaden, den Miniermotten anrichten, ist mehr ästhetischer Natur und weniger gefährlich für die befallenen Pflanzen. Wenn eine Miniermotten-Larve sich von Blattgewebe ernährt, hinterlässt sie blasse, gelbliche „Tunnel“ und Früchte oder Gemüsesorten, die nicht mehr schön aussehen und die man nicht mehr gerne isst. Zierpflanzen sehen nach einem Befall ebenfalls nicht mehr besonders attraktiv aus. In manchen Fällen können Miniermotten-Larven junge Sämlinge beschädigen. Selbst Bäume werden bei übermäßigem Befall geschwächt und empfänglich für diverse Krankheiten.

Maßnahmen: Larven und Eier zerdrücken, Neem-Öl, insektizides Öl, Schlupfwespen als Nützlinge.



Sonstige Probleme

Neben den Schädlingen tierischer Natur gibt es noch eine Vielzahl an Krankheiten, die durch Bakterien, Pilze und Viren ausgelöst werden – diese Erkrankungen und ihre Behandlung sehen wir uns in der nächsten Ausgabe an.



Buchtipps zum Thema?

Im Grunde eignet sich so gut wie jedes bessere Growbuch für Cannabisgärtner als Nachschlagewerk zum Thema Schädlinge und deren Bekämpfung. Zu empfehlen sind unter anderem die Bücher von Jorge Cervantes, zum Beispiel „Marihuana Anbaugrundlagen: Der praktische Leitfaden für Cannabisfreunde“, und Ed Rosenthals „Marijuana Growers Handbuch“. Daneben gibt es aber auch gute Bände von anderen Autoren, zum Beispiel „Der Cannabis-Anbau“ von Lark-Lajon Lizermann, „Weedology“ von Philip Adams, „Bio-Grow“ von Alice Legit, „Indoor-Anbau“ und „Outdoor-Anbau“ von Mr. José sowie viele weitere.
Ein Blick in Bücherangebote von Growshops kann hilfreich sein.


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