Dieser Tage ist ständig von einem besonderen Cannabinoid zu hören, nämlich vom nicht psychoaktiven Cannabidiol (CBD), das in Form von Marijuana in der Schweiz und in Österreich legal verkauft und
natürlich auch gegrowt werden darf. Ein Blick auf lohnenswerte CBD-Strains.
von Markus Berger

Cannabidiol, kurz CBD, ist eines der natürlichen Cannabinoide der Cannabispflanze, das keine berauschenden Effekte herbeiführt und sogar den psychotropen Wirkungen des hauptwirksamen Inhaltsstoffes THC (Tetrahydrocannabinol) entgegenwirkt, diese also abzuschwächen in der Lage ist.

Seit einiger Zeit macht dieses Cannabinoid vor allem in der Schweiz Furore, selbst Marijuana-Sorten, die CBD enthalten und gleichzeitig einen THC-Wert von höchstens einem Prozent aufweisen, sind in der Schweiz legal und werden sogar in Form von Zigaretten und anderen Produkten im Supermarkt und am Kiosk angeboten. Auch in Österreich sind sogar blühende Cannabispflanzen mit CBD bei niedrigen THC-Werten bis 0,3 Prozent erlaubt – lediglich in Deutschland liegt der maximale THC-Wert bei 0,2 Prozent. Wir schauen uns an, welche CBD-Strains lohnenswert sind, zuhause angebaut zu werden.

ACDC

Der Strain ACDC vom kalifornischen Boomspharm Collective ist ein sativa-dominanter Phänotyp der Sorte Cannatonic. Das CBD-zu-THC-Verhältnis wird mit 20 zu eins angegeben. Bisher wurden Werte von bis zu 19 Prozent CBD in den Pflanzen ermittelt. ACDC-Weed, -BHO und -Hasch sollen wirksam bei Schmerzen, Depressionen, Spastiken, Stress, Entzündungen und anderen Leiden sein.

CBDees #1B

Den zweiten Platz dieses Cups holte die CBDee‘s #1B vom Pure West Compassion Club und LightSky Farms. CBDee‘s #1B wurde aus einer Cannatonic #4 und einer Harlequin gekreuzt. Die nicht psychoaktiv wirksame Pflanze enthält etwa 12,5 Prozent CBD und weniger als 1 Prozent THC und soll sich gut zur Behandlung von Schmerzen und Spannungszuständen eignen.

CBD Haze Auto

Die Sorte CBD Haze Auto des Produzenten Top Tao Seeds soll vier Monate nach der Keimung erntereif sein. Als zugrundeliegende Genetiken werden schlicht sativa, indica und ruderalis vermerkt. Der CBD-Gehalt wird mit „medium and more“, die Pflanzenhöhe mit 1,5 bis 2,5 Meter angegeben. Insgesamt sind die Daten und Angaben zur Sorte eher oberflächlich und spärlich gehalten, der Grower wird sich an diese Pflanzen herantasten müssen und herausfinden, welche Eigenschaften ihnen tatsächlich zueigen sind.

Charlottes Web

Einer der klassischen CBD-Strains dieser Kategorie ist Charlotte‘s Web vom Breeder The Stanley Brothers aus Colorado und extra für eine junge Epilepsie-Patientin namens Charlotte Figi entwickelt worden.
In der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird die Geschichte der Namensgebung kurz erläutert:
„Wegen der fehlenden psychoaktiven Wirkung lautete der ursprüngliche Name der Hanfsorte Hippie‘s Disappointment (Hippies Enttäuschung), wurde dann aber nach Charlotte Figi, der ersten Patientin, die damit behandelt wurde, in Charlotte‘s Web umbenannt“.
Charlotte‘s Web enthält nach Angaben der Stanley Brothers „sehr hohe“ CBD-Werte (nach Tests bis etwa 17 Prozent!) bei weniger als 0,3 Prozent THC und soll zu den CBD-reichsten Sorten der Welt gehören.
Aus dem Strain wird ein hochwirksamer medizinischer CBD-Extrakt hergestellt (Alepsia).

Sour Tsunami

Die US-amerikanische Sorte Sour Tsunami wurde vom mittlerweile verstorbenen Züchter Lawrence Ringo vom Southern Humboldt Seed Collective kreiert und gilt als nicht psychoaktive medizinische Pflanze.
Sour Tsunami ist eine Kreuzung aus Albion Sour Diesel mit einer Tsunami und besteht zu etwa 60 Prozent aus Sativa-Anteilen. Der Strain enthält zwischen 12 und 13 Prozent CBD und weniger als 0,1 Prozent THC.

Stephen Hawking Kush

Der nach einem berühmten Astrophysiker benannte Strain Stephen Hawking Kush ist eine Kreuzung aus einer Harle-Tsu (siehe dort) und einer Sin City Kush als Vater.
Diese indica-dominante Sorte ist Teil der Linie CBD+ des Breeders Alphakronik Genes und enthält etwa 16 Prozent CBD bei gerade mal einem Prozent THC. Es gibt drei Phänotypen des Strains.
Die Pflanzen sollen bei Schmerzen, Schlaflosigkeit, Depressionen, Entzündungen und anderen Leiden hilfreich sein.

Harle-Tsu

Der Strain Harle-Tsu (Abkürzung für Harlequin Tsunami) wurde, der Name verrät es bereits, aus einer Sour Tsunami und einer Harlequin gekreuzt und enthält nach Angaben der Breeder vom Southern Humboldt Seed Collective mehr als 10 Prozent CBD bei weniger als einem Prozent THC. Damit sind die Pflanzen nicht psychoaktiv, wirken jedoch effektiv unter anderem bei Schmerzzuständen, Entzündungen, Schlaflosigkeit und Erregungszuständen.

Medicritical

Die Genofarm Seedbank hat die „High on CBD secret Strain“ x „Critical Bilbao“-Genetik zum Strain Medicritical veredelt. Die Pflanzen sollen medizinisch verwendbare CBD-Werte aufweisen, was immer das auch heißen mag.

Purple Cheese

Der indica-dominante Strain Purple Cheese des Breeders Auto Seeds ist eine Automatik-Genetik und soll hohe CBD-Werte aufweisen. Purple Cheese wurde aus Purple #1, Blue Cheese und Lowryder entwickelt und soll bei Appetitlosigkeit, Schmerzen, Entzündungen und Depressionen hilfreiche Dienste leisten.

Perkins Cut Cannatonic

Die Perkins Cut Cannatonic der Breeder Mota Rebel wurde aus dem Cannatonic-Strain hybridisiert und hat am Michigan Medical Cannabis Cup 2015 in der Kategorie „CBD Flowers“ den ersten Platz belegt. Der Strain weist keine psychoaktiven Eigenschaften auf und enthält etwa 9,3 Prozent CBD und weniger als 0,5 Prozent THC.

Remedy

Die Sorte Remedy des kanadischen Breeders Canuk Seeds ist eine indica-dominante Kreuzung aus Cannatonic und Afghani Skunk und soll gegen Schmerzen, Stress, Entzündungen, Schlaflosigkeit und andere Leiden hilfreich sein. Remedy enthält nach Angaben des Herstellers bis über 16 Prozent CBD und weniger als ein Prozent THC.

Swiss Gold

Ebenfalls von Lawrence Ringo stammt der Strain Swiss Gold, der zwar als sativa-dominant bezeichnet, jedoch von vielen Usern von der Wirkung her als eher indica-like bewertet wird. Die Pflanzen sollen etwa 7 bis 8 Prozent CBD und nur 2 bis 3 Prozent THC aufweisen. Damit fällt dieser Strain aus der Rolle, weil er selbst in der Schweiz nach wie vor illegalisiert ist.

 

Strains für Patienten?

Weil Cannabidiol den berauschenden Effekten des THC entgegenwirkt, prägen die speziellen CBD-Sorten meistens kein explizites High aus.
Sorten, die mit höheren CBD-Werten daherkommen, werden gern als „medizinisch bedeutsam“ dargestellt, obwohl es dafür keine echte Grundlage gibt.
Fakt ist, dass nicht alle Cannabis-Patienten mit ihren vielfältigen Krankheiten und Symptomen vom gleichen Cannabis Linderung erwarten
können – im Gegenteil: Die einen benötigen mehr CBD, während andere von höheren THC-Werten profitieren. Manches Leiden kann mit CBD besser, manches mit THC und manches mit einer Mischung aus beiden behandelt werden.

Mit CBD die „THC-Sucht“ behandeln?

Zurzeit sind auf dem legalen Cannabis-Markt Strains sehr populär, die mit hohen CBD- und niedrigen bis niedrigsten THC-Werten daherkommen. So gibt es in der Schweiz beispielsweise eine Firma, die daran arbeitet, eine Cannabissorte zu entwickeln, die aussieht, schmeckt und riecht wie herkömmliches Gras und dabei viel Cannabidiol enthält, aber nur allerniedrigste THC-Werte aufweist. Damit will das Unternehmen nach eigenen Aussagen in der Presse „schwer THC-Abhängige“ vom aktiven Marijuana wegbringen. Es lässt sich sicherlich über das Attribut „schwer THC-abhängig“ trefflich streiten; was eine reine CBD-Sorte angeht, so haben wir mit den industriell genutzten Faserhanfsorten bereits Kandidaten, die dieses Profil erfüllen – jedoch nicht nach gewöhnlichem Marijuana schmecken. Ob mit „High-CBD-Strains“ jedoch eine wie auch immer geartete THC- oder Hanfsucht behandelt werden kann, bleibt dahingestellt.

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