Die Einnahme mikrodosierter psychoaktiver Substanzen ist zurzeit ein Trend, der sich in der Szene zunehmender Beliebtheit erfreut. Manche machen sich damit fit für den Alltag, andere bekämpfen Krankheiten und Symptome mit niedrig dosierten Psychoaktiva. Aber was heißt das eigentlich – mikrodosieren? Was ist Mikro, was schon Makro? Und gibt es Faustformeln des Microdosings, die für alle gelten? Schauen wir uns an, wie es sich verhält.
von Markus Berger

Die Praxis des Microdosings ist keine Sache, die man mit einem zweiseitigen Artikel in einem Lifestyle-Magazin abhandeln könnte. Ganze Bücher können darüber verfasst werden, was derzeit auch geschieht – auch gibt es von der Schriftstellerin Ayelet Waldman bereits einen Band, der beschreibt, wie die Autorin ihr Leben mit mikrodosierten Psychedelika gerettet hat („A Really Good Day – How Microdosing Made a Mega Difference in My Mood, My Marriage, and My Life“, erscheint 2018 auf Deutsch). Aber das ist eine andere Geschichte. Gehen wir im Folgenden einfach mal ein paar populäre Substanzen durch und gucken uns an, wie und wofür diese im Microdosing angewendet werden. Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass die besprochenen Stoffe in unserem Kulturkreis verboten sind. Einzig Cannabis kann von Patienten über den Arzt bezogen werden.

Microdosing mit LSD

PipetteMit LSD wurde wahrscheinlich das erste richtige Microdosing praktiziert – und zwar von niemand Geringerem als LSD-Entdecker Albert Hofmann persönlich. Er berichtete in seinem Buch „LSD – Mein Sorgenkind“ davon, dass mit minimalen Mengen Lysergsäurediethylamid u.a. die Konzentrationsfähigkeit gesteigert und die Wachheit gefördert werden kann.
Man sagt, dass Mikrodosierungen von LSD bei etwa 10 Prozent der gewöhnlichen psychedelischen Dosis liegen. Das ist doch schon mal eine Ansage. Allerdings sind psychedelisch wirksame Dosierungen bei LSD auch eine Sache der Empfänglichkeit. Nicht jeder nimmt 250 Gamma pro Session, genauso wie nicht jeder mit der Wirkung von nur 50 Mikrogramm zufrieden ist. Es ist also auch eine individuelle Ermessenssache. Wenn man sagt, dass im LSD-Microdosing zwischen 10 und 30 Mikrogramm verwendet werden sollten, liegt man damit wohl ganz gut. Wieviel es dann im Einzelfall wirklich werden, hängt von persönlichen Erfahrungswerten ab.

Mit LSD-Microdosing kann im Alltag das Wohlbefinden modifiziert werden, denn es ist ein geeigneter Wachmacher und wirkt für viele besser als Kaffee. Es steigert die Konzentration und Laune und lässt manche User bessere sportliche Leistungen erzielen. Im therapeutischen Bereich wird LSD-Microdosing u.a. von Kopfschmerzpatienten praktiziert, insbesondere bei den speziellen Formen des Kopfschmerzes Cluster-Kopfschmerz und Migräne, und viele berichten über gute Erfolge und rasche Linderung durch das niedrig dosierte Psychedelikum (siehe dazu auch Hempedelic-Ausgabe 2). Auch bei Menstruationsbeschwerden kann LSD in geringen Mengen hilfreiche Dienste leisten.

Microdosing mit Cannabis

KnolleEs gibt Berichte von Personen, die mit niedrig dosiertem Cannabis Schmerzen bekämpfen. Dabei genügen meist kleine Portionen von 0,1 Gramm Cannabis (Marijuana oder Haschisch) und weniger (wenn es sich um BHO-Extrakte handelt), um akute Schmerzzustände zu behandeln. Das funktioniert zwar bei Weitem nicht bei allen Betroffenen. Man hört aber immer wieder mal davon, wenn man sich in der Gesellschaft von Cannabispatienten befindet.

Microdosing mit Pilzen und DMT

KnolleMicrodosing mit Pilzen ist sehr ähnlich wie mikrodosiertes LSD. Meist verwenden User nur kleine Stengelstückchen eines Psilocybinpilzes, zum Beispiel der Arten cyanescens, azurescens oder cubensis. Grundsätzlich eignen sich alle Psilocybin-haltigen Pilze zum Microdosing, die individuelle Dosierung muss wie beim Acid erst herausgefunden werden. Wie LSD werden auch Psilocybinpilze verwendet, um Kopfschmerzen verschiedener Couleur und auch Menstruationsbeschwerden zu behandeln. Geringe Mengen Pilze können Stimmung und Konzentration verbessern, ohne psychedelisch zu wirken.
Mikrodosiertes DMT (wenige Milligramm) kann, in einer Pfeife geschickt geraucht, zu kurzen kontrollierten Trips führen, die den durch Pilze induzierten sehr ähnlich sind.
Microdosing mit Ketamin

KnolleGeringste Stäubchen der Trockensubstanz werden von manchen Psychonauten geschnupft und zur Intensivierung verschiedener Substanzwirkungen verwendet, zum Beispiel von MDMA, LSD, 2C-B usw. So verspüren manche schon von einem Milligramm oder sogar deutlich weniger gesnieftem Special K boostende Effekte, wenn sie bereits auf einer anderen Droge sind.
Es gibt Anwender, die im Alltag mit minimalsten K-Dosierungen depressive Verstimmungen behandeln. Ketamin ist als Antidepressivum ohnehin zurzeit in der Diskussion – das K-Microdosing ist bisher hingegen nicht sonderlich populär geworden.

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