Wie der Hanf als Medizinalpflanze verwendet werden kann

von Markus Berger

Nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle ist vonseiten der Politik und Ärzteschaft, vor allem aber vonseiten der Krankenversicherer die Frage nach der Wirksamkeit von Hanf als Medikament losgetreten worden, denn es gibt keinen Indikationskatalog, der aufführt, bei welcher Krankheit Cannabis de facto wirksam ist, und bei vielen Symptomen ist immer wieder von mangelnder wissenschaftlicher Evidenz die Rede.

Das stimmt zwar in einigen Fällen, jedoch bezieht sich diese auf klinische und verwandte wissenschaftliche Studien. Für die Krankenkassen ist diese Tatsache bares Geld wert, denn was von dieser „wissenschaftlichen Evidenz” nicht hundertprozentig erfasst ist, wird von der Versicherung in Sachen Kostenübernahme regelmäßig abgelehnt. Bedürftige Patienten stehen dann dumm da – und ohne Medikation. Dabei lehrt uns die Erfahrungswissenschaft seit Tausenden von Jahren, dass Hanfprodukte in den Volksmedizinen dieser Welt gegen alle möglichen Erkrankungen eingesetzt wurden und werden.

Eine uralte Heilpflanze

Bekannt ist der Hanf als Heilmittel seit mindestens 10.000 Jahren, schon die alten Ägypter und die Assyrer des Altertums verwendeten die Hanfpflanze als universelles Pharmakon. Forscher vermuten, dass schon die prähistorischen Mesopotamier den Hanf kannten und nutzten – auch medizinisch. Der chinesische Kaiser Shen Nung, ein begeisterter Botaniker und Hobby-Ethnopharmakologe, empfahl bereits um 2700 vor unserer Zeit den Hanf als Heilmittel gegen Verstopfung, Rheuma, Gicht und andere Leiden.

So dienten, je nach Kulturkreis, Cannabis indica, sativa und ruderalis als Heil- und Medizinalkräuter, die Schmerzen bekämpfen, Frauenleiden lindern, gegen Depressionen hilfreich sind, als Augenmittel bei Glaukom Verwendung fanden und finden, als hervorragendes Stimulans und Tonikum, ja sogar als sogenanntes Allheilmittel. Aber auch als Antidot bei diversen Vergiftungen galt und gilt Cannabis als Medizinalkraut der Wahl. In der ayurvedischen Medizin ist Cannabis seit jeher geschätztes Heilkraut, genauso wie die Hanfpflanze von Anfang an zum Arzneimittelschatz der Homöopathie gehört, wenngleich sie sich heutzutage selbst dort, wo der modernen Physik keinerlei Nachweis über einen pharmakologisch aktiven Wirkstoff gelingt, repressiven Problemen ausgesetzt sieht.

Medizinische Cannabis-Anwendungen

Entgegen der landläufigen vorurteilsgeprägten Ansicht, ist es tatsächlich nicht so, dass Cannabis in seiner Eigenschaft als Heilkraut stets und ausschließlich geraucht, gegessen oder getrunken zum Einsatz kommt. Cannabis-Kraut, -Blüten und -Samen werden auch geräuchert oder gar auf gänzlich andere Weise eingenommen. Die Pflanze wurde und wird ethnomedizinisch außerdem in Form von Umschlägen und Kompressen, Cremes und Ölen sowie in anderen Applikationsformen angewendet.

Berühmt ist beispielsweise das historische Haschisch vom Zürcher Apotheker Karrer, das bis vor hundert Jahren in der Schweiz verkauft wurde – und zwar als „idealstes Mittel gegen Hühneraugen, Hornhaut und Warzen“. Seit 1883 finden sich in den Tageszeitungen der Schweiz die auch heute noch bekannten und mittlerweile eher kurios anmutenden Anzeigen: „Es ist eine wahre Freude, wenn man plötzlich entdeckt, wie unter der wohltätigen Einwirkung von Apoth. Karrer’s Haschisch alle Hühneraugen, Hornhaut und Warzen auf Nimmer-Wiedersehen verschwinden. Hauptdepot beim Erfinder Apoth. Karrer (…). Man verlange ausdrücklich Karrer’s Haschisch.“ Im übrigen bestanden so gut wie alle Hühneraugenpräparate, die weltweit bis 1937 vermarktet wurden, zum Großteil aus Haschischzubereitungen.

Wirtschaftsfaktor Cannabis

Mittlerweile sind die wirtschaftlichen Mogule in die Angelegenheit verstrickt. Allein beim Thema Cannabis als Medizin werden Pharmaunternehmen auf die Barrikaden gehen, wenn der Hanf eines Tages wieder freigegeben wird. Denn Cannabis vermag Tausende von Medikamenten sinnvoll zu ersetzen – als Medizin kann der Hanf als Pflanze, also als rundherum natürliches Produkt, dabei jedoch nicht patentiert werden.


Breites Wirkungsspektrum

Wie viele Krankheiten mit Hanf erfolgreich behandelt werden können, ist bis heute nicht geklärt.
Niemand hat sich bisher die Mühe gemacht und erfasst, welche Erkrankungen mit Cannabis behandelt werden können. So scheint es durchaus sinnvoller, sich anzusehen, welche Symptome Cannabis zu lindern vermag. Dr. Franjo Grotenhermen fasst in seinem Buch „Die Behandlung mit Cannabis“ zusammen:
„Cannabisprodukte üben eine Vielzahl von Wirkungen aus. Sie können daher nicht selten mehrere Symptome einer Erkrankung lindern. Dazu zählen beispielsweise Schmerzen, Muskelspastik, Blasenfunktionsstörungen, und Schlafstörungen bei multipler Sklerose sowie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Depressionen bei Krebs. Diese Art der Kombinationstherapie kann in einigen Fällen mehrere andere Medikamente ersetzen.“


Cannabis als Medizin ist ein immer wichtiger werdendes Thema.
In unserem kleinen Lexikon werden die wichtigsten Begriffe rund um Cannabismedizin erläutert.

Dass Cannabis eine wirksame Medizin ist, hat sich in den vergangenen Jahren weit herumgesprochen. Ständig laufen in den Medien entsprechende Berichte, Reportagen, Interviews usw., und die Menschen sind tendenziell sehr davon angetan. Denn der Hanf ist nicht nur eine Pflanze mit unfassbar breitem Spektrum an heilsamen Qualitäten, sondern außerdem auch mit nur wenigen Nebenwirkungen behaftet.
Dabei ist es von Relevanz, Cannabismedizin in der Allgemeinheit bekannter zu machen, nicht nur, wenn es um Legalisierungsbestrebungen geht, sondern insbesondere aufgrund des Nutzens für zahlreiche leidende Menschen, denen die Hanfheilmittel potenziell große Linderung verschaffen können. Weil die Behandlung mit Cannabis und Cannabinoiden schon eine Wissenschaft für sich ist, haben wir für euch ein kleines Lexikon zusammengestellt, das die wichtigsten Stichworte einfach erklärt.

 

 

ACM -„Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“

Abkürzung für den gemeinnützigen Verein „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ unter Vorsitz des Mediziners und Cannabisspezialisten →Franjo Grotenhermen. Der ACM ist der deutsche Ableger der →IACM und hat sich laut Satzung der „Förderung der Kenntnisse über Cannabis, die Cannabinoide, das Endocannabinoidsystem und verwandte Themen“ verschrieben.
Auf der Website der ACM wird der Sinn und Zweck der Arbeitsgemeinschaft erklärt: „In ihr haben sich Ärzte, Apotheker, Patienten, Juristen und andere Interessierte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich organisiert. Sie tritt für verbesserte Möglichkeiten zur Nutzung von Cannabisprodukten für therapeutische Zwecke ein“.
Internet:
cannabis-med.org
arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Cannabis zur Selbsttherapie

In Deutschland ehemals erteilte Erlaubnis zur Verwendung medizinischer Cannabisblüten oder eines Cannabisextrakts aus der →Apotheke zur →Selbsttherapie. Die Ausnahmeerlaubnis nach Paragraph 3 Absatz 2 BtMG wurde bis 2017 nach →Antragstellung ggf. von der →Bundesopiumstelle innerhalb des →BfArM erteilt. Überdies kann bis heute eine Ausnahmeerlaubnis für den Anbau von Cannabis beantragt werden.
Infos dazu gibt es hier, das entsprechende Formular hier.

Cannabis aus der Apotheke

Cannabispatienten erwerben ihre Hanfblüten gegen Rezept oder auf eigene Rechnung in der Apotheke. Allerdings gehören Medizinalcannabis-Sorten noch nicht zum Standardangebot der meisten Apotheken, sondern müssen meist bestellt werden. Die Apotheken können übrigens selbst bestimmen, was für einen Aufschlag sie für das importierte Medizinalmarijuana erheben, damit können Cannabisblüten für Privatzahler sehr teuer werden – mit Preisen bis weit über 20 Euro pro Gramm.

Cannabismedizin am Arbeitsplatz

Cannabispatienten erhalten ihre Medizinalblüten auf legalem Weg, sie sollten also am Arbeitsplatz keine Einschränkungen zu befürchten haben. Theoretisch. Praktisch sieht die ganze Sache dann schon wieder anders aus. Aufgrund der noch immer vorherrschenden Stigmatisierung der Cannabispflanze kann es vorkommen bzw. ist es schon passiert, dass offizielle Cannabispatienten trotzdem Ärger mit dem Arbeitgeber bekommen. Allerdings ist es auch nicht zwingend notwendig, seine Medizin vor den Augen der Kollegen oder Chefs einzunehmen. Die Verwendung von →Dronabinol, eines handlichen →Vaporizers oder →Edibles ist überdies unauffällig und nicht unbedingt aufsehenerregend.

Bedica

Eine von fünf Sorten Medizinalcannabis der niederländischen Firma →Bedrocan, die in der →Apotheke erworben werden können. Bedica ist eine →Indica-Varietät und enthält 14 Prozent →THC und weniger als ein Prozent →CBD.

Bediol

Eine von fünf Sorten Medizinalcannabis von →Bedrocan, die in der →Apotheke erworben werden können. Bediol ist eine nur schwach psychoaktive →Sativa-Varietät und enthält etwa 6,5 Prozent →THC und 8 Prozent →CBD.

Bedrobinol

Eine von fünf Sorten Medizinalcannabis der niederländischen Firma →Bedrocan, die in der →Apotheke erworben werden können. Bedrobinol ist eine →Sativa-Pflanze und enthält 13,5 Prozent →THC und weniger als ein Prozent →CBD.

Bedrocan

1. Niederländischer Produzent von medizinischem →Marijuana mit Sitz in Amsterdam
Homepage
2. Eine von fünf Sorten Medizinalcannabis, die in der →Apotheke erworben werden können. Bedrocan ist mit etwa 22 Prozent →THC die stärkste aller Sorten.
Strain: Jack Herer.

Bedrolite

Eine von fünf Sorten Medizinalcannabis von →Bedrocan, die in der →Apotheke erworben werden können. Bedrolite ist nicht psychoaktiv und enthält 9 Prozent →CBD und nur 0,4 Prozent →THC.

Bedropuur

Medizinalcannabis der Firma →Bedrocan mit hohem →THC-Gehalt, das nur in →Kanada erworben werden kann.

BfArM -Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abkürzung für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Zum Profil dieser obersten deutschen Gesundheitsbehörde gibt deren Internetseite Auskunft: „Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Im BfArM arbeiten rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter Ärzte, Apotheker, Chemiker, Biologen, Juristen, Ingenieure, technische Assistenten und Verwaltungsmitarbeiter – an der Zulassung, der Verbesserung der Sicherheit von Arzneimitteln, der Risikoerfassung und -bewertung von Medizinprodukten und der Überwachung des Betäubungsmittel- und Grundstoffverkehrs. Oberstes Ziel aller Maßnahmen ist die Erhöhung der Arzneimittel- und damit der Patientensicherheit. Auf diese Weise leistet das BfArM einen wichtigen Beitrag zur Abwehr von Gesundheitsgefahren für die Bürgerinnen und Bürger“.
Quelle und Internet

Blaas, Kurt


Österreichischer Mediziner, Buchautor und Pionier in Sachen Cannabis- und Cannabinoidmedizin mit Praxis in Wien.
Infos

Blüten

Cannabis-Blüten, auch →Marijuana genannt, dürfen seit März 2017 in Deutschland von Ärzten verschrieben werden. Die Sorten, die in der →Apotheke erhältlich sind, kommen aus den Niederlanden (→Bedrocan) und aus →Kanada.

BtMG -Betäubungsmittelgesetz

Abkürzung für das Betäubungsmittelgesetz von 1981 (ehemals Opiumgesetz von 1930). Das BtMG ist ein Bundesgesetz und reglementiert alle prohibitionistischen Verbote und Vorschriften rund um geistbewegende Moleküle, Organismen und Produkte. Psychoaktive Substanzen werden in drei verschiedenen Anlagen erfasst und entsprechend kategorisiert: Anlage I (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel), Anlage II (verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel) und Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel).
Das BtMG online

Bundesopiumstelle

Abkürzung BOPST. Behörde innerhalb des →BfArM, die sich um betäubungsmittelrechtliche Verwaltungsakte und Angelegenheiten kümmert. Die Bundesopiumstelle ist laut deren Website „1952 aus der nach dem internationalen Opiumabkommen von 1912 eingerichteten Opiumabteilung hervorgegangen“.

CAM -Initiative „Cannabis als Medizin“

Die Initiative „Cannabis als Medizin“ setzt sich in Österreich für die Belange von Cannabispatienten ein.
Homepage

Cannabinoide

Wirkstoffgruppe von Molekülen, die in der Hanfpflanze vorkommen können (auch Phytocannabinoide, also pflanzliche Cannabinoide, genannt). Nicht alle bekannten Cannabinoide finden sich dabei auch in jeder Hanfpflanze. Die beiden hauptsächlichen Cannabinoide bzw. Cannabinoidgruppen →THC und →CBD werden in eigenen Stichworten beschrieben. Weitere wichtige Cannabinoide sind CBG (Cannabigerol, nicht psychoaktiv, aber sedativ, antibiotisch und den Augeninnendruck senkend), CBC (Cannabichromen, sedativ, schmerzstillend), THCV (Tetrahydrocannabivarin, leicht psychoaktiv) und CBN (Cannabinol, leicht psychoaktiv, antiepileptisch und den Augeninnendruck senkend). Es sind derzeit mehr als hundert Phytocannabinoide bekannt.

Cannabismedizin

Überbegriff für Therapien und heilkundliche Behandlungen, bei denen Cannabis und/oder Cannabinoide zum Einsatz kommen. Da der Hanf eine äußerst vielseitige Pflanze ist, wird er auch schon seit Urzeiten medizinisch verwendet. Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch vermutet, dass der Hanf eine der ersten kultivierten Pflanzen der europäischen Geschichte ist und mindestens seit dem Neolithikum, also seit der Jungsteinzeit, auch als Heilmittel Verwendung findet.

Cannabissaft

Manche Patienten in den USA stellen sich aus rohem Cannabiskraut einen Saft her oder essen die Pflanze frisch.
→Franjo Grotenhermen:
„Auf diese Weise könnten hohe therapeutische Dosen der wirksamen Cannabisinhaltsstoffe aufgenommen werden, ohne dass psychotrope Wirkungen auftreten. Die grüne Pflanze enthält THC in seiner sauren Form, kurz THCA genannt, die in der Tat keine psychischen Wirkungen verursacht. Auch die Verwendung von Säften CBD-reicher Cannabissorten wird von einigen empfohlen, um große Mengen an CBDA (CBD-Säure), anderen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Cannabisinhaltsstoffen aufnehmen zu können. Dieses Verfahren könne nicht nur Krankheiten heilen, sondern auch die allgemeine Gesundheit fördern. Es sind jedoch Zweifel angebracht“
(Grotenhermen et al. 2015: 26.).

CBD -Cannabidiol

Abkürzung für den Cannabiswirkstoff Cannabidiol.
Der Mediziner →Franjo Grotenhermen erläutert: „Cannabidiol ist für gewöhnlich das Cannabinoid, welches in Nutzhanf bzw. industriell verwendetem Hanf/Cannabis mit der höchsten und in Medizinalhanf mit der zweithöchsten Konzentration vorkommt. In Nutzhanf kommt CBD im oberen Drittel der Pflanze und in den Blüten in Konzentrationen von etwa 0,5 bis 2 Prozent vor. In Deutschland und vielen anderen Ländern darf Cannabis mit hoher CBD- und niedriger (in der EU unter 0,2 Prozent) THC-Konzentration als Nutzhanf angebaut werden. Die Fasern werden als Rohmaterial für industrielle und andere Zwecke genutzt, die Hanfsamen dienen der Gewinnung von Hanfsamenöl, einem Pflanzenöl hoher Qualität und anderen Nahrungsmitteln. In den letzten Jahren herrscht ein zunehmendes Interesse am therapeutischen Potential von CBD. CBD verursacht im Gegensatz zum THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) keine psychischen Wirkungen und selbst hochdosiert keine relevanten Nebenwirkungen“ (Grotenhermen et al. 2015: 17).
In den letzten zwei Jahren hat sich in der Schweiz ein regelrechter Boom in Sachen CBD ereignet. Dort sind Cannabissorten mit beliebig viel CBD (bei THC-Werten bis 1 Prozent) legal und können in Form von Zigaretten und Marijuanasorten erworben werden.
Siehe auch →Cannabinoide und →THC.

Dabben von Cannabismedizin

Englisches Slangwort für das Verdampfen von hochpotenten Cannabiskonzentraten. Mit Hilfe von Extraktoren und Lösungsmitteln (meist Butan oder Dimethylsulfoxid) können sämtliche Inhaltsstoffe der Cannabispflanze ausgezogen und anschließend mit speziellen Paraphernalien gedabbt werden.

Dispensary

US-amerikanische Apotheke bzw. Abgabestelle von Medical Marijuana, also von Medizinalcannabis.

Dronabinol

Internationaler Freiname für →THC und pharmazeutisches THC-Präparat, das von der Apotheke als ölige oder alkoholische Lösung angemischt und an Patienten mit entsprechendem Rezept abgegeben wird. Dronabinol ist in Deutschland, Österreich und ausnahmsweise auch in der Schweiz verschreibungsfähig, jedoch lehnen die meisten Krankenversicherer in Deutschland die Kostenübernahme ab, während das Pharmakon in Österreich meist bezahlt wird. Siehe auch →Marinol.

Edibles

Englischer Begriff für essbare Cannabisprodukte. Einige Cannabispatienten wollen ihre Medizin weder rauchen noch vaporisieren. Für sie bietet es sich an, Cannabis zu essen oder zu trinken. In den USA bzw. in den Bundesstaaten, in denen Cannabis bereits legalisiert wurde, gibt es in den →Dispensaries eine reichhaltige Auswahl aller möglichen Cannabis-haltigen Produkte, zum Beispiel Eis, Lutscher, Kekse, Kuchen, Bonbons und vieles andere mehr.

Fankhauser, Manfred


Schweizer Apotheker, Buchautor und Hanfpionier mit eigener Apotheke in Langnau (Emmental), der zurzeit als einziger in der Schweiz die Genehmigung besitzt, Cannabis anzubauen, Präparate daraus herzustellen und an Patienten zu verkaufen.
Infos

Führerschein bei Cannabiskonsum

Cannabispatienten sind nicht vor dem Verlust des Führerscheins gefeit. Auch – und gerade – Patienten, die nachweislich regelmäßig psychoaktive Hanfprodukte zu sich nehmen, können von der Führerscheinstelle dazu verdonnert werden, die Fahrerlaubnis abzugeben bzw. sich einer „Medizinisch-Psychologischen Untersuchung“ (der berüchtigten MPU) und anderen Kontrollmaßnahmen zu unterziehen. Fakt ist, dass auch Patienten nicht im berauschten Zustand am Straßenverkehr teilnehmen dürfen – Selbiges gilt auch für die Einnahme von anderen psychoaktiven Pharmaka, wie beispielsweise Opioiden und Benzodiazepinen. Ein Schreiben der Bundesanstalt für Straßenwesen zur Fahreignung von Cannabispatienten findet sich auf der Internetseite der →IACM:
cannabis-med.org

Grotenhermen, Franjo


Arzt und Buchautor aus Ruethen (Landkreis Soest), international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Cannabis- und Cannbinoidmedizin. Autor zahlreicher Publikationen zum Thema (siehe hierzu auch die Literaturtipps am Ende des Artikels).
Links:
cannabis-med.org
dr-grotenhermen.de

Hanfsamen

Die Samen der Cannabispflanzen weisen keine psychoaktive Effektivität auf. Sie enthalten unter anderem wertvolle lignanreiche Öle, Proteine, diverse Alkaloide und ein Enzym und sind im Rahmen einer gesunden Ernährung hilfreich. Kalt gepresstes Hanfsamenöl enthält bis zu 90 Prozent ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure, Alpha-Linolensäure, Omega-3-Fettsäure u. a.), die für die menschliche Ernährung von Bedeutung sind. Im Öl aus Hanfsamen kann →THC in geringen Spuren nachgewiesen werden. Hanfsamen wurden früher in der westlichen →Schulmedizin verwendet.

Haschisch

Produkte aus dem Harz der Cannabispflanze, das in Form von kleinen Tröpfchen auf den Harzdrüsen (Trichomen) vor allem der Blüten, aber auch der Blätter sitzt, werden Haschisch genannt. Haschisch ist ein potenter Cannabisextrakt, der durch Sieben, Schütteln, Abreiben usw. gewonnen wird.

Homegrowing

Erst ein einziger Patient in Deutschland konnte bisher vor Gericht erstreiten, sein Medizinalcannabis zuhause anbauen zu dürfen. Anfang April 2016 hatte ein 52-jähriger Multiple-Sklerose-Patient vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig in dieser Angelegenheit gewonnen. Siehe dazu den Punkt →Ausnahmegenehmigung.

Homöopathie

Cannabis wurde (bzw. wird bis heute, jedoch im Untergrund) auch in der Homöopathie eingesetzt. Beispielsweise zur Behandlung eines Delirium tremens oder einer Gonorrhoe (Tripper, Samenfluss). Der Apotheker →Manfred Fankhauser schreibt: „Cannabis sativa wird bereits 1811 erstmals durch Hahnemann in seinem Werk „Reine Arzneimittellehre, Erster Theil“ erwähnt. (…) In diesem Grundstein der Homöopathie werden nur zwölf Arzneimittel aufgeführt, unter ihnen auch Cannabis. Die geringe Anzahl der geprüften Arzneimittel verdeutlicht, dass Cannabis bereits in den Anfängen der Homöopathie seine Bedeutung hatte“ (Fankhauser 2002: 201). Und weiter: „Dass Cannabis in der Homöopathie (…) rege und bei verschiedensten Leiden mit Erfolg angewendet wurde, beweist eine Zusammenstellung im „Universal-Lexikon der practischen Medicin und Chirurgie“ aus dem Jahre 1835; hauptsächlich verwendet wurde Cannabis sativa bei Herzentzündungen, Brustfell- und Lungenentzündungen, Nierenentzündungen, chronischen Augenentzündungen, Katarakt, Bronchialkatarrh und akutem Tripper“ (ebd., Seite 203).

IACM -Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Abkürzung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin / International Association for Cannabis as Medicine. Siehe auch →ACM, →SCM.
Link:
cannabis-med.org

Indica

Eine von drei natürlichen Cannabis-Arten (Cannabisindica, Cannabissativa, Cannabisruderalis). Hybridformen, die auf Indicabasis entwickelt wurden, zeichnen sich häufig durch ein eher in Richtung sedativ gehendes Wirkungsprofil aus. Siehe auch →Ruderalis und →Sativa.

Kanada

Kanada hat sich als Vorreiterland in Sachen Cannabismedizin etabliert. Seit einiger Zeit sind für deutsche Cannabispatienten viele verschiedene Sorten kanadischen Medizinalmarijuanas von diversen Unternehmen auf Bestellung in der →Apotheke verfügbar. Infos zu den Sorten gibt es hier.

Krankenkassen und Cannabismedizin

Cannabispatienten können bei ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme für ihre Medikation beantragen. In vielen Fällen weigern sich die Versicherer aber, Hanfmedizin zu erstatten, viele Cannabispatienten müssen also selbst für ihre Medikation aufkommen. Wer sich das als schwer kranker Mensch nicht gefallen lassen will, kann vor dem →Sozialgericht Klage erheben und auf diese Weise sein Glück versuchen.

Kontraindikationen

Es gibt nicht besonders viele Kontraindikationen für die Therapie mit Cannabis und Cannabinoiden. Insbesondere ist die Cannabisallergie hervorzuheben, die allerdings nur extrem selten vorkommt. Auch wer unter einer schizophrenen Psychose oder anderen schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankungen leidet, sollte von der Einnahme von psychoaktiven Cannabisprodukten Abstand nehmen oder sich zumindest im Vorfeld gründlich mit dem Arzt besprechen. Schwangere und stillende Frauen sollten ebenfalls kein Cannabis konsumieren. →Dr. Grotenhermen sagt dazu: „Cannabisprodukte sollten in der Schwangerschaft und bei stillenden Müttern nur mit Zurückhaltung eingesetzt werden. Zwar sind mögliche Schäden am Kind allenfalls gering, aber Drogen und Medikamente sollten bei Schwangeren grundsätzlich weitgehend vermieden werden“ (Grotenhermen 2015: 142). Herzpatienten sollten darauf achten, sich nicht überzudosieren und die Medikation mit Vorsicht anzugehen.

Marinol

Pharmazeutisches THC-Präparat in Kapselform aus den USA. Darf von deutschen Apotheken eingeführt werden. Siehe auch →Dronabinol.

Marijuana

Mexikanisches Slangwort für Cannabisblüten. Der Erfinder der Hanfprohibition, der aus der Schweiz stammende und mit seinen Eltern in die USA ausgewanderte Harry J. Anslinger (1892 bis 1975), hatte in den 1930er-Jahren zu Beginn seiner Anti-Hanf-Propaganda die mexikanische Bezeichnung des Cannabiskrauts dafür genutzt, um den Bürgern der Welt Angst vor dieser „neuen Teufelsdroge“ einzujagen. Hätte Anslinger versucht, den Hanf zu verunglimpfen, wäre dies Vorhaben sicherlich kläglich gescheitert. Immerhin war der Hanf als Kulturpflanze zu dieser Zeit überall bekannt und wurde von zahlreichen Landwirten auf deren Feldern angebaut. Siehe auch →Blüten.

Multiple Sklerose

Einzige Erkrankung, für die in Deutschland ein Cannabismedikament, nämlich →Sativex, offiziell zugelassen ist. Nur bei Multipler Sklerose bezahlt die Krankenkasse die Therapie mit dem Cannabisextrakt.

Nabilon

Nabilon ist ein vollsynthetisches THC-Derivat (Handelsnamen in USA und Großbritannien Cesamet und in Österreich Canemes) und kann per BtM-Rezept verschrieben werden. Nabilon ist allerdings das teuerste aller Cannabinoidmedikamente, weshalb es nur sehr selten verwendet wird. Siehe auch →Dronabinol und →Marinol.

Nebenwirkungen

Wie jede pharmakologisch aktive Substanz kann auch Cannabis Nebenwirkungen hervorrufen, die jedoch in aller Regel nicht spezifisch sind. Manche betrachten schon die psychoaktive Wirkung des Hanfs als Nebenwirkung, andere erkennen in der Rauscheigenschaft heilsames Potenzial. Der Mediziner →Franjo Grotenhermen schreibt: „Die in dem einen Fall erwünschte Wirkung kann in dem anderen Fall unerwünscht sein. Wer nur die Muskelrelaxierung wünscht und nicht zunehmen möchte, empfindet den Appetit anregenden Effekt möglicherweise als Nebenwirkung. In anderen Fällen können die sedierende oder die stimmungsverändernde Wirkung unerwünscht sein. Nebenwirkungen einer Cannabistherapie können unter anderem sein: erhöhter Herzschlag (vor allem in der anfänglichen Phase des Rauschs), Blutdrucksenkung, Verwirrtheit, Schwindel, gerötete Augen, beeinträchtigtes Gedächtnis und seltener Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. In seltenen Fällen und zumeist einhergehend mit einer schwierigen Lebenssituation oder zurückliegenden Traumata kann sich beim chronischen Konsumenten ein Abhängigkeitssyndrom ausbilden. Die verheerendste aller Nebenwirkungen ist jedoch die gesellschaftliche Stigmatisierung und die Strafverfolgung durch die Organe der Prohibition.

Recht

Cannabismedizin ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar und unter bestimmten Bedingungen, je nach gewünschter Medikation, für Patienten erhältlich. In Deutschland darf seit 1983 →Nabilon, seit 1998 →Dronabinol und seit 2011 →Sativex verschrieben werden. Von 2007 bis 2017 konnten Patienten eine →Ausnahmegenehmigung bei der →Bundesopiumstelle beantragen. Seit 2017 ist Cannabis in Deutschland von jedem Arzt verschreibungsfähig. In Österreich sind lediglich Dronabinol und Sativex erhältlich, in der Schweiz ist eine Therapie mit Dronabinol und anderen Cannabispräparaten nur mit Sonderbewilligung möglich, jedoch sind CBD-reiche Hanfsorten mit THC-Werten unter 1 Prozent vollkommen legal und seit einiger Zeit sogar in Supermärkten erhältlich.

Cannabis auf Rezept

Cannabismedizin (Blüten und Präparate) sind seit März 2017 in Deutschland von jedem Mediziner auf einem Betäubungsmittelrezept (Btm-Rezept) verschreibbar. Die →Krankenkassen übernehmen in manchen Fällen die Kosten für die Therapie, zuvor muss der Patient jedoch einen entsprechenden Antrag bei der Kasse stellen. Im Falle einer Absage kann ein Patient seine Medizin aber selbst finanzieren, was jedoch sehr teuer ist.

RSO -Rick Simpson Oil

Abkürzung für Rick Simpson Oil. Starkes Cannabiskonzentrat, das vom Kanadier →Rick Simpson erfunden wurde und von ihm zur Heilung von Krebs verwendet wurde. Im Internet findet sich eine Seite, die den Herstellungsprozess des RSO dokumentiert.

Ruderalis

Eine von drei natürlichen Cannabis-Arten (Cannabisindica, Cannabissativa, Cannabisruderalis). Hybridformen, die auf Ruderalisbasis entwickelt wurden, werden als Automatic-Cannabis bezeichnet, weil sie unabhängig von der Tageslänge nach einer bestimmten Zeit in die Blütephase wechseln. Dies ist eine spezielle Eigenschaft des sogenannten Ruderalhanfs, der ganz besonders harte Umgebungsbedingungen ertragen kann, weil er aus Gebieten stammt (Zentralasien, Russland u.a.), in denen die Tage kurz und die Nächte kalt sein können. Nach einer neueren nomenklatorischen Systematik wird Cannabis ruderalis auch Cannabis sativa var. spontanea genannt.

Sativa

Eine von drei natürlichen Cannabis-Arten (Cannabisindica, Cannabissativa, Cannabisruderalis). Hybridformen, die auf Sativabasis entwickelt wurden, zeichnen sich häufig durch ein Wirkungsprofil aus, das eher in Richtung aktivierend bis psychedelisch geht. Nach einer neueren nomenklatorischen Systematik wird Cannabis sativa auch Cannabis sativa var. sativa genannt.
Siehe auch →Indica und →Ruderalis.

Sativex (Nabiximols)

Pharmazeutisch-medizinisches Spray, das aus einem alkoholischen Extrakt der Hanfpflanze besteht und ein recht ausgewogenes THC-zu-CBD-Verhältnis aufweist. In Deutschland und Österreich zugelassen als Medikation bei Multipler Sklerose. Wird von den →Krankenkassen übernommen.

Schulmedizin

Innerhalb der modernen Schulmedizin werden Cannabispräparate noch nicht wieder verwendet. Das war auch einmal anders.
Der Schweizer Apotheker und Cannabisexperte →Manfred Fankhauser erklärt:
„Wie in den vorangegangenen Zeiten wurden auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorwiegend Hanfsamen, ausnahmsweise das Kraut, pharmazeutisch genutzt. In den Arzneimittellehren der Zeit tauchen diese in bereits bekannten Rezepturen auf. Hauptsächlichste Anwendungsformen waren, neben dem extern angewandten Hanföl, Hanfmilch oder Hanftee. Beliebte Indikationen waren Gonorrhoe, Blasen- und Nierenkatarrh, Hepatitis und Diarrhoe“ (Fankhauser 2002: 80).
Erst ab den 1930er-Jahren wurde der Hanf mit der von den USA ausgehenden Cannabisprohibition mit Nachdruck (und von groß angelegten Propaganda-Aktionen unterstützt) zur Teufelsdroge deklariert, was sich auch auf die medizinische Anwendung des Hanfs auswirkte.
→Franjo Grotenhermen:
„Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch widerstreitende Aspekte gekennzeichnet. Die Diskreditierung von Cannabis als Rausch- und Genussmittel führte auch zur Diskreditierung des Einsatzes von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Zudem trug die forcierte Entwicklung synthetischer Medikamente zur Verdrängung der Naturprodukte bei“ (Grotenhermen 2015: 27).
Sicherlich werden auch die Cannabinoide und Cannabis in die zukünftige Schulmedizin wieder Eingang finden, es ist nur eine Frage der Zeit. Interessanterweise sind einige der klassischen schulmedizinischen Pharmaka im menschlichen Körper mit den Cannabinoid-Rezeptoren assoziiert, zum Beispiel blockiert das Schmerzmittel Paracetamol (Acetaminophen) den CB1-Rezeptor und entfaltet dadurch sein schmerzlinderndes Potenzial.

SCM -Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin

Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin. Aus dem →ACM hervorgegangene Patienteninitiative.
Homepage

Selbst-Therapie mit Cannabis

In Deutschland erwarb der Cannabispatient bis Sommer 2017 mit einer →Ausnahmegenehmigung der →Bundesopiumstelle „Cannabis zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie“, wie es so schön hieß.
Das heißt im Klartext und von vereinzelten Sonderfällen abgesehen, dass der Patient für die Kosten der Medikation komplett selbst aufkommen muss. Seit März 2017 ist Cannabis von jedem Arzt verschreibungsfähig, die Kosten müssen vom Patienten aber in vielen Fällen weiterhin selbst getragen werden, denn die →Krankenkassen lehnen eine Kostenübernahme von Cannabismedizin für einen großen Teil der Patienten ab.

Simpson, Rick


Kanadier, der sich mit einem selbst hergestellten Cannabis-Öl vom Hautkrebs geheilt hat. Der Dokumentarfilm „Run From The Cure“ machte den Mann und sein Cannabis-Öl schlagartig berühmt. Siehe auch →RSO.

Sozialgericht

Vor dem Sozialgericht können Patienten, die mit der Krankenkasse wegen der Kostenübernahme ihrer Medizin Probleme haben, Klage einreichen und das Gericht damit beauftragen, sich des Falls anzunehmen. Der Vorteil des Sozialgerichts ist, dass auf den Patienten keine Prozesskosten zukommen, dass er keinen Anwalt benötigt und dass es in aller Regel keine örtliche Verhandlung gibt, sondern lediglich einen Briefwechsel. Infos zur Klage vor dem Sozialgericht gibt es auf einer Website von Max Plenert.

STCM -Schweizer Arbeitsgruppe für Cannabinoide in der Medizin

Die Schweizer Arbeitsgruppe für Cannabinoide in der Medizin ist eine Partnerorganisation der →IACM.
Homepage

Terpene

Neben den Cannabinoiden sind die Terpene eine wichtige Stoffgruppe der Cannabispflanzen. Sie sind nicht nur für den Geruch des Cannabis verantwortlich, sondern verfügen darüber hinaus über zahlreiche pharmakologische Effekte.
→Franjo Grotenhermen erklärt: „Terpene (ätherische Öle) bilden mit etwa 15.000 Vertretern die größte Gruppe von chemischen Substanzen in Pflanzen. Terpene und nicht Cannabinoide sind für den Geruch von Cannabis verantwortlich. Über 200 wurden in der Cannabispflanze nachgewiesen. Weit verbreitete Terpene der Cannabispflanze sind Limonen, Myrcen, Pinen, Eucalyptol, Alpha-Terpineol und Caryophyllen. Diese kommen auch in anderen Pflanzen vor. In einem Gramm Cannabis finden sich meistens weniger als 10 mg ätherische Öle. Da sie sich leicht verflüchtigen, nimmt ihre Konzentration während des Trocknens und der Lagerung sowie beim Erhitzen ab. (…)Terpene sind pharmakologisch aktiv. Sie wirken auf Zellmembranen (Zellwände), Ionenkanäle von Nerven und Muskeln und verschiedene Rezeptoren (Bindungsstellen auf der Oberfläche von Zellen). Sie gelten als gesundheitlich sicher, können allerdings in einigen Fällen Allergien auslösen“ (Grotenhermen et al. 2015: 25).

THC -Tetrahydrocannabinol

Tetrahydrocannabinol, hauptwirksamer psychoaktiver Inhaltsstoff bzw. Molekülgruppe in den Cannabispflanzen.
→Franjo Grotenhermen verschafft Klarheit:
„Wenn von THC die Rede ist, ist im Allgemeinen das in der Pflanze natürlich vorkommende Delta-9-THC gemeint. Mehr als zehn Cannabinoide zählen zum Delta-9-THC-Typ, von denen in der Pflanze vor allem zwei Delta-9-THC-Säuren vorkommen, die unter der Einwirkung von Hitze in das phenolische Delta-9-THC umgewandelt werden. Dieses phenolische THC verursacht die bekannten psychischen Wirkungen von Cannabis und ist auch für die meisten anderen pharmakologischen Wirkungen verantwortlich. THC bindet an die beiden bekannten Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Der CB1-Rezeptor kommt vor allem im zentralen Nervensystem vor.
Wird er durch THC aktiviert, so verursacht dies Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Appetitsteigerung, Bronchienerweiterung, Steigerung der Herzfrequenz und einige weitere Wirkungen. Der CB2-Rezeptor findet sich vor allem auf Immunzellen, also auf Zellen, die im Körper für die Abwehr von Krankheitserregern und andere Immunprozesse zuständig sind. Die Aktivierung des CB2-Rezeptors durch THC hemmt Entzündungen und allergische Reaktionen“ (Grotenhermen et al. 2015: 22f.).
Siehe auch →Cannabinoide und →CBD.

Vaporizer

Mobile oder stationäre Geräte, mit denen Kräuter und Harze solange erhitzt werden, bis deren Inhaltsstoffe sich in Form von Vapor (Dampf) lösen. Im Gegensatz zum Rauchen wird das verwendete Material beim Vaporisieren nicht verbrannt, es entstehen also keine Verbrennungsrückstände und keine toxischen Verbindungen. Manche Vaporizer werden bestimmten Cannabispatienten auf Antrag von den →Krankenkassen erstattet. Eines der Standardgeräte, die häufig zur medizinischen Verwendung herangezogen werden, ist der AroMed-Vaporizer – ein Gerät der ersten Stunde.


Literaturtipps zum Thema:

Rätsch, Christian 2016:
Hanf als Heilmittel,
Solothurn: Nachtschatten Verlag
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Grotenhermen, Franjo und Britta Reckendrees 2012:
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Fankhauser, Manfred 2002:
Haschisch als Medikament,
Schweizerische Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie
(vergriffen)


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