Kanada will testen, Großbritannien und Österreich tun es

In Quebec sowie in Berlin soll es Drug Checking-Projekte geben. In Quebec, falls eine Studie zur möglichen Einführung positiv ausfällt. In Berlin, falls es eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte gibt. Die Kanadier wollen 100000 $, der Berliner Senat 150.000 Euro zur Verfügung stellen. Beim kanadischen Modellprojekt sollen die Ergebnisse der Studie 2020 für einen konkreten Test genutzt werden, in Berlin kann dagegen direkt getestet werden.

Drug Checking ist sowohl nach kanadischem wie nach deutschem Recht illegal und wäre hier wie dort nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Obgleich in Kanada eine Reihe progressiver Maßnahmen umgesetzt werden – z.B. die Eröffnung von Drogenkonsumräumen, die Bereitstellung von Naloxon bei Überdosierungen – bezüglich Drug Checking für eine weitere Verringerung von Schäden hat Kanada Nachholbedarf, Deutschland ebenso.
Warum es in Kanada für einen Test Studien braucht oder in Berlin ein Modellprojekt, wo in anderen Ländern längst langjährige positive Erfahrungen vorliegen, wissen wir nicht. Das liegt wohl an der von Repression geprägten politischen Großwetterlage und muss wohl als der berühmte erste Schritt zur Aufweichung der langjährigen Abwehrfront zu verstehen sein.

Lediglich unter diesem Blickwinkel ist nachzuvollziehen, dass solche begrenzten Studien für Tests oder kleine Modellprojekte in jedem Land neu zu vollziehen sind, denn positive Erfahrungen gibt es bereits in Großbritannien, aber vor allem in der Schweiz und Österreich.

Drug Checking der britischen Organisation The Loop, führte dazu, dass 10-20% der Konsumenten, sobald ihnen der konkrete Inhalt ihre Pille/Pulver bekannt war, vom Konsum absahen und diese entsorgten – weil diese eben nicht enthielten, was sich die Konsumenten davon versprachen. So würden nicht nur 10-20% der Substanzen aus dem Verkehr gezogen, sondern vielmehr drogenbedingte medizinische Vorfälle um 25 % reduziert.
Mit ganz ähnlichen Erfahrungen können das DIZ in Zürich oder CheckIt in Wien aufwarten, wo Drug Checking schon eine Weile betrieben wird.

Das deutsch-französische Projekt DRUSEC bietet mittlerweile eine Art Post-Drug Checking an und untersucht aus den Konsumräumen von fünf deutschen Städten eingeschickte Beutelchen etc. mit Anhaftungen. Eine Art Anbohren des dicken Bretts Drug Checking-Widerstand von der anderen Seite.

Insofern, das Geld Quebecs und Berlins dürfte gut investiert sein und schon 2020 könnten beide mit (mehr) Drug Checking progressive Schlagzeilen machen. Für Berlin ist allerdings in hohem Maße fraglich, ob das bekanntermaßen höchst unwillige Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte eine Ausnahmegenehmigung bewilligt.

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