Der Nachtschatten-Verleger über den Erfinder des LSD

Text: Markus Berger

Roger Liggenstorfer ist Gründer und Verleger des Nachtschatten Verlags in Solothurn (Schweiz). Vor über 30 Jahren hatte er Albert Hofmann, den Chemiker, Entdecker des LSD und Naturphilosophen, zu einem Vortrag über sein „Sorgenkind“ eingeladen und persönlich kennengelernt, woraus sich rasch eine tiefe Freundschaft entwickelte. Das war zu einer Zeit, in der Albert Hofmann in der psychedelischen Szene noch nicht so bekannt gewesen ist wie heute. Wie war der LSD-Erfinder aber eigentlich als Mensch und ganz privat? Wir haben mit Roger Liggenstorfer darüber gesprochen.

Du hast Albert Hofmann 1984 kennengelernt, als du ihn zu einem Vortrag eingeladen hast?
Genau. Albert hatte damals aber nicht nur über Acid sprechen wollen, sondern auch über die äußere Wirklichkeit – denn zu dieser Zeit war das Waldsterben gerade ein großes Thema. Und das hatte ihn sehr berührt und war ihm wichtig. Albert war immer sehr auf die Natur bedacht, seine Liebe zur LSD- und psychedelischen Erfahrung hat das natürlich intensiviert.

Was hat euch besonders verbunden?
Die Reisen in die inneren und äußeren Räume, z.B. unsere gemeinsame Fahrt im Jahr 2000 nach Eleusis in Griechenland.hofmann&liggensdorfer1Die Eleusinischen Mysterien hatten Albert immer ganz besonders interessiert, er hatte ja auch zusammen mit Gordon Wasson und Carl P. Ruck ein Buch darüber verfasst. Das war eine wirklich schöne Reise, die uns alle inspiriert hat. Es war für Albert etwas ganz Besonderes, in Eleusis zu sein – ich vergesse nie den Moment, als er da saß und sich dessen bewusst war. Aber es gibt viele gemeinsame Erlebnisse, die wir teilten, ich habe da einige tolle Erinnerungen.

Albert war ja nicht nur unter Psychonauten, sondern auch gesellschaftlich höchst geachtet.
hofmann&liggensdorfer2Allerdings! 2006 hatte der damalige Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger anlässlich Alberts hundersten Geburtstags einen schriftlichen Gruß gesendet und geschrieben: „Gäbe es in der Schweiz einen Rat der Weisen, würden Sie ganz bestimmt dazu gehören.“ Das war natürlich eine Ehre von höchster politischer Stelle. Albert wurde dabei nicht nur als Chemiker, sondern als Naturphilosoph geschätzt und geachtet. Im Gegensatz zu seinem „Sorgenkind“, genoss er höchsten Respekt.

„Ergänzung statt Ausschluss“ war ja eines seiner Lebensmotti. Und das hat er auch sehr wörtlich gemeint.
So ist es. Das zeigte sich beispielsweise, als ich Albert einmal mit auf eine Goa-Party genommen habe. Die fand ganz in der Nähe seines Hauses statt und Goa Gil legte dort auf. Als ich ihn mehr oder weniger im Scherz fragte, ob er sich nicht mal anschauen möchte, was alles aus seinem LSD geworden ist, sagte er sofort zu, mit mir dorthin zu gehen.
Hofmann&GoaGilIch konnte es kaum glauben. Am Sonntagmorgen um 9 Uhr hab ich ihn zuhause abgeholt und wir fuhren gemeinsam zur Party. Die Leute auf dem Dancefloor konnten es erst gar nicht fassen. War da wirklich Albert Hofmann? Als klar war, dass es wirklich der LSD-Entdecker war, der da auf der Party aufgetaucht war, waren alle voller Freude, einige streckten ihm Acid hin (zum Signieren lassen …) und es gingen erstmal ein paar Joints herum. Albert hat auch einmal daran gezogen. Überhaupt wurde er sehr gefeiert, und das gefiel ihm natürlich gut. Das einzige, was er nicht verstand bzw. nicht gut an der Party fand, war – nicht etwa die Musik – sondern die Tatsache, dass die Leute alle allein tanzten. Er kannte das ja eher vom Walzer und anderen Standardtänzen, wo man ja immer zu zweit tanzt und dabei auch Körperkontakt hat. Schließlich ist Albert auch ans DJ-Pult zu Goa Gil gegangen, und da war natürlich auf dem Dancefloor niemand mehr zu halten. Da ließ er sich feiern wie ein Popstar – was er ja auch verdient hatte!

Hofmann&MushroomAlbert war ja überhaupt ein sehr offener Mensch, stimmt‘s?
Albert war bis ins hohe Alter, auch mit über hundert Jahren, immer noch bereit, neue Erfahrungen zu machen. Er war ein ganz besonders offener Mensch, hat, ohne Vorurteile auszuprägen, sich stets auf das Unbekannte eingelassen, einfach unglaublich. Auch neuen Bekanntschaften gegenüber war er immer sehr offen. Er war uns und der psychedelischen Bewegung ein echtes Vorbild. Und dafür dürfen wir ihm dankbar sein.

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