Das Märchen von der Abhängigkeit nach einmaligem Drogenkonsum hält sich wacker und die damit assoziierten Substanzen mehren sich. Was ist wirklich dran am Mythos?
von Markus Berger

Es ist ein prohibitionistischer Evergreen. Die Mär von der sucht- und todbringenden Droge, die den neugierigen User bereits nach dem initialen Konsum nicht mehr aus ihren Fängen lässt, ist einer der Auswüchse des War on Drugs, des Kriegs gegen die Drogen. Schon in den Achtzigern brachte man uns in der Schule bei, dass ein einmaliger Gebrauch von Heroin sofort zur körperlichen Abhängigkeit und unweigerlich in die leidbringende Suchtspirale führe. „Probiere nur einmal Heroin“, hieß es im Sachkundeunterricht, „und du wirst fortan nicht mehr ohne die Droge leben können.

So oder ähnlich wurde es nicht nur vor 40 Jahren in den Schulen und Drogenberatungsstellen gelehrt, auch heute hat sich der Duktus diesbezüglich nicht geändert. Noch immer wird Kindern und Jugendlichen die Spinnerei ins Hirn gepflanzt – nur dass heute das Heroin nicht mehr der alleine Teufel ist. Mittlerweile haben sich andere Drogen dazugesellt, denn auch Kokain, Crack und heutzutage vornehmlich das Phantom Crystal Meth sollen – glaubt man den Aussagen von staatlichen Suchtberatern – eine vollumfassende Abhängigkeit zur Folge haben, wenn man sie nur ein einziges Mal probiert.

Angst erzeugen

Und damit soll Prävention betrieben werden. Das Stilmittel, das hier ausgespielt wird, ist das Schüren von Angst. Wer Angst hat, traut sich nicht, Drogen zu nehmen. Und wer Drogen nicht nimmt, ist safe. Dieses einfache Weltbild ist die Grundlage für die sogenannte Drogenvorsorge, so hoffen es zumindest diejenigen, die solche Lügen verbreiten. Doch ist unsere Jugend heute pfiffiger, als wir es damals noch waren, vor allem ist der Zugang zu den zahlreichen Medien mit Smartphone und Computer ein Kinderspiel. Waren wir vor Jahrzehnten noch auf die eher kargen Bestände der Büchereien angewiesen, kann man sich heute in Sekundenschnelle jede gewünschte Information übers Internet beschaffen, und die Bandbreite an Medien, die sachgerechte Drogenaufklärung betreiben, wird überdies immer größer. Deshalb ist es nicht besonders nützlich, den nachwachsenden Generationen Geschichten aufzutischen, die sie in Nullzeit entlarven. Das hat nämlich zurfolge, dass die jungen Leute den Aussagen der Erwachsenen bald gar nicht mehr glauben, geschweige denn vertrauen, was einer erfolgreichen Präventionsarbeit, z.B. an Schulen, eklatant im Wege steht.

Die Fakten

Fakt ist: Es gibt keine Substanz auf dieser Erde, die nach einem einmaligen Konsum in eine Abhängigkeit führt. Auch Heroin, Crack und Crystal Meth nicht. Das Ganze ist eine Finte der Drogenkrieger, die sich eine ganze aneinandergelogene und fantasierte Argumentationskette gebastelt haben, um damit die Menschen vor der „tödlichen Drogengefahr“ fernzuhalten.

Prohibitions-Argumente

Und so geht das Märchen: Cannabis ist eine Einstiegsdroge und führt zum Gebrauch von „harten Drogen“, wie es unsere Protagonisten Heroin, Crack-Kokain und Crystal Meth sind. Die wiederum führen zu sofortiger Abhängigkeit und schließlich ins Verderben und zum Tod.

Das ist natürlich ausgemachter Unsinn, denn weder ist Cannabis eine Einstiegsdroge noch führen die sogenannten harten Drogen in eine sofortige Abhängigkeit. Die Gefahr ist aber nicht zu unterschätzen: So mancher findet die Wirkungen der Substanzen derart angenehm, dass sich ein kritisches Konsummuster entwickeln kann. Deshalb sollten lange Konsumpausen immer dazugehören.

 
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Das Phantom Crystal Meth

Crystal Meth ist eine Substanz, die Methylamphetamin oder kurz Methamphetamin genannt wird. Methamphetamin wurde 1893 vom japanischen Chemiker Nagayoshi Nagai synthetisiert, zu Zeiten des Dritten Reichs war die Substanz dann in Form des Medikaments Pervitin auf dem Markt und als leistungssteigernde Droge weit verbreitet.
Heute ist der Stoff als todbringende, auf Anhieb süchtig machende Substanz verrufen.
Natürlich ist der chronische Gebrauch von Methamphetamin gesundheitsschädlich.

Wer Methamphetamin häufig nimmt, kann auch eine Neigung ausprägen, den Kick immer wieder erleben zu wollen. Das ist u.a. bei Stimulantien wie den Amphetaminen oder auch Kokain eine Gefahr. Jemand, der sein Konsumverhalten nicht reflektiert, kann deshalb eine psychische Abhängigkeit ausprägen. Eine weitere Gefahr liegt auch im Drogenverbot, das für einen florierenden Schwarzmarkt sorgt.
Methamphetamin kommt häufig aus Untergrundlabors und weist daher oft Verunreinigungen auf, zudem wird es von Dealern gestreckt.


 

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