In Zürich in der Schweiz werden seit 15 Jahren Drogen auf ihre Bestandteile geprüft, landläufig Drug Checking genannt. Was sind die Erfahrungen gelebter Schadenminderung?
von Uwe Scholz

grüne Pille Teil mit Stern-PrägungDa kursiert diese lindgrüne kleine Pille, mit einem Stern auf einer Seite. Da wäre es doch ganz ratsam, zu wissen, was sie enthält, oder? Diese zum Beispiel (siehe Bild), die derzeit in der Schweiz angeboten wird, enthält 242.5 mg MDMA, was ziemlich viel ist. Wo ihr schon wissen solltet, auf was ihr euch einlasst, nämlich vermutlich Nebenwirkungen wie Kieferkrämpfe, Augen- und Nervenzucken. Bis hin zu Krampfanfällen reicht die Palette an sicherlich unerwünschten Begleiterscheinungen.

Seit 15 Jahren gibt es bereits Drug Checking in Zürich. Früh hatte die Schweiz erkannt, dass Drug Checking eine sinnige Ergänzung und damit sinnvoller Bestandteil der Schweizer Vier-Säulen-Drogenpolitik ist. Vornehmlich mit Blick auf die Schadensminderung nimmt es Konsumenten als mündige Menschen wahr, die durchaus bessere Entscheidungen treffen, wenn sie bessere Informationen haben. Wobei im Falle illegalisierter Drogen ja nun zu ergänzen wäre, wenn sie überhaupt Infos haben. Was normalerweise nicht der Fall ist. Wenn ihr also wisst, dass die besagte Pille sehr viel MDMA enthält, sinkt die Wahrscheinlichkeit von leichtfertigem Umgang, damit von Überdosen und somit von vielleicht erheblichen gesundheitlichen Folgen.

DIZ Drogeninformationszentrum am Hauptbahnhof in Zürich in der SchweizVermutlich viel wichtiger, als das direkte Testen vor Ort, sind die eine unbekannte Zahl von Menschen erreichenden Warnmeldungen per Mail, die seit 15 Jahren gängige Pillen mit Bild auseinandernehmen und deren Wirkstoffgehalt samt möglicher Folgen für die Gesundheit verbreiten. Drug Checking war viral, bevor das als Begriff in den Mainstream sickerte. Nicht gering zu schätzen sind selbstredend auch die über 15 Jahre gewonnenen Erkenntnisse über Pillen, Pappen und Pulver, deren Veränderung und Verbreitung. Was die Analyseergebnisse anbelangt, im Vergleich mit z.B. CheckIt Wien oder der DrogenArbeit Z6 (ebenfalls Österreich), sollen laut Saferparty sehr ähnliche Ergebnisse vorliegen, denn es wird davon ausgegangen, dass die allermeisten Pillen im Schweizer und Österreichischen Markt in Holland und Belgien produziert werden, es fehlen aber faktenbasierte Belege dafür. In Berlin wird momentan versucht Drug Checking auch dort zu etablieren, ein überfälliger Schritt. Leider ist entgegen der repressiven Meinung Realitätsausblendung bei Nicht-Konsumenten sehr viel verbreiteter als bei Konsumenten. In Zürich gibt es übrigens seit zehn Jahren eine Ausweitung des Drug Checking mit einem Drogeninformationszentrum gleich neben dem Hauptbahnhof (siehe Foto).

HIER geht’s zur Website des Drogeninformationszentrums

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hempedelic