Bereitschaft bei Ärzten, Apothekern, Krankenkassen und Polizei ausbaufähig

Im März 2017 wurde Cannabis als Medizin legal. Einerseits dürfen Ärzte nun legal und grundsätzlich Cannabis verschreiben, andererseits müssen die Krankenkassen die Kosten übernehmen.
Eigentlich.

Faktisch bleibt es weiter schwierig einen Arzt zu finden, der ein solches Rezept ausstellt, zumal auf dem Land oder etwa im Süden Deutschland kann das ein Problem darstellen. Geht man dann mit dem Rezept zu einer Apotheke, ist längst nicht ausgemacht, dass diese überhaupt oder ausreichend Cannabisblüten oder Fertigarzneien vorhält. Zum dritten ist die gesetzlich aufgegebene Kostenübernahme längst keine Garantie, dass dies passiert. Denn erstens, ist diese ohnehin kein Automatismus, sondern muss beantragt werden.

Zweitens, muss dieser Antrag bewilligt werden und nur etwa etwa 50 bis 60 Prozent der Anträge werden dies.Da kann man sich schon wundern. Denn entweder müssen die Krankenkassen die Kosten übernehmen, laut Gesetz, oder eben nicht. Aber wir sind in Deutschland, mit einer sehr ausgeprägten Bürokratie wie Vorbehalten bei Krankenkassen wie Ärzten, was den Prozess verlangsamt. Papier ist geduldig.

Außerdem reißen sich die Krankenkassen natürlich nicht um diesen neuen Kostenposten. Ob das anderswo in ihrem Budget womöglich viel Geld spart oder dass für Hepatitis- oder HIV-Patienten ganz selbstverständlich und unumstritten viel größere Summen per Quartal anfallen, bleibt unberücksichtigt. Zudem stehen viele Krankenkassen, Ärzte und Apotheker dem Projekt Cannabis als Medizin ablehnend oder hoch skeptisch gegenüber und bremsen, so der Eindruck.

Ablehnend verhält sich auch die Polizei. Autofahrende Cannabis Patienten dürfen trotz gesetzlich erlaubter verschriebener Dauermedikation mit Schikanen der Polizei und Führerscheinstellen rechnen. Einstweilen.
Als unkooperativ könnte auch die Idee der Apotheker bezeichnet werden, die Kosten des Arzneimittels Cannabis durch Öffnen und Umfüllen der versiegelten Herstellerdosen auf deutlich über 20 Euro pro Gramm und damit international konkurrenzlos hohen Preis zu pushen.
Bereits vor der Bundestagswahl hatte sogar die Politik zu mehr Kooperationsbereitschaft der Kassen angemahnt und eine Umsetzung des Gesetzes im Sinne der Patientinnen und Patienten gefordert.
Da ist also noch Luft nach oben. Also in Bezug auf quasi alle Beteiligten außer den Patienten, die eine seit Jahrtausenden verfügbare und genutzte Pflanze endlich auch legal und unkompliziert nutzen wollen.
Jamaika hilf!

Karte: Wikipedia
Karte: Wikipedia

Was musst du tun?
Einen (anderen) Arzt finden und aufsuchen, der Cannabis verschreibt – was kein Selbstgänger ist. Wenngleich durch die Gesetzesänderung die Verschreibung einfacher und damit ganz, ganz allmählich alltäglicher werden dürfte, bleiben die Vorbehalte gross.
Welche Kriterien musst du erfüllen?
Leidest du seit langer Zeit z.B. unter Multipler Sklerose, Tourette-Syndrom, Schmerzen, HIV, Krebs, Glaukom, Epilepsie, Asthma, Depressionen, Entzündungen, Allergien, ADHS oder Morbus Crohn? Bist du es leid, dass die Nebenwirkungen deiner Medikamente erhebliche sind bzw. sie dir nicht wirklich helfen?
Wievielen Menschen wird Cannabis als Medizin in Deutschland verschrieben?
Waren es vor der Gesetzesänderung um die 1000 Personen, stieg diese Zahl seit 2016 mit der verpflichtenden Kostenübernahme durch die Krankenkassen an. Aktuell würden beispielsweise bei der Krankenkassen bald 10.000 unbearbeitete Anträge rumliegen, von denen etwa 50 bis 60 Prozent bewilligt würden.
Ein Ratgeber des DHV
Auch wenn dieser aufgrund der Verabschiedung des neuen Cannabis-Medizin-Gesetzes gerade überarbeitet wird, nützlich, denn die Punkte ‚Welche Nebenwirkungen kann Cannabis als Medizin haben?‘ oder etwa ‚Wie finde ich einen Arzt, der mir eine Therapie mit Cannabis anbietet?‘ sind unverändert hilfreich.

https://hanfverband.de/themen/medizin/ratgeber-fuer-patienten

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